Tagebuch / Jänner 2002

DIENSTAG, 01. JÄNNER 2002

Lange Fahrt von Tauranga über Whatakane und Gisborne nach Napier. Wie in Miami-Beach hat auch hier eine Bürgerinitiative eine einzigartige Art Deco-Stadt gerettet. Der freie Grundstücksmarkt hätte mit den geometrischen Fassaden schnell Schluss gemacht.

TAGS: Art | Deco | Grundstücksmarkt | Schluss | Stadt

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MITTWOCH, 02. JÄNNER 2002

Noch einmal Wellington. Im Nationalmuseum stehen plötzlich Erwin und Heidi, zwei alte Freunde aus Knittelfeld, vor mir. Sie nehmen die nächste Fähre auf die Südinsel.

Wenige schöne Stücke von den Maori und den polynesischen Inseln reichen nicht, um ein großes nationales Museum zu füllen. Wie Griechen, Türken, Chinesen und Ägypter müssen auch Neuseeländer nach London fahren, um die Kunstwerke aus ihrer Vergangenheit sehen zu können. Der leere Raum in Wellington ist mit Kunsthandwerk, Landschaften und den Erzeugnissen der einheimischen Wirtschaft gefüllt. Man ist schnell durch.

Vom Anlegeplatz in Picton soll ich weiter nach Takata in der Golden Bay ganz im Nordwesten der Südinsel. Eine tiefliegende Wolkenbank zeigt, dass das Wetter wie üblich im Westen schlechter ist. Ich fahre nach Blenheim, der Weinhauptstadt im Osten. Wie Pelle in Matakana hat Tim in Spring Creek eine Permakultur-Farm aufgebaut. Das System funktioniert auch hier, im trockensten Teil des Landes.

TAGS: Südinsel | Wellington | Westen | Wetter | Wolkenbank

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DONNERSTAG, 03. JÄNNER 2002

Whale-watching in Kaikoura. Im Viertelstundentakt lassen uns fünf Pottwale herankommen, dann biegen sie ihre dunkel gefurchten Körper einmal durch, strecken die Schwanzflosse in die Höhe und tauchen ab. Jetzt habe ich also Wale gesehen. Ein Drittel der Walbeobachter sind Japaner. Ihr Walfangpräsident hat neulich erklärt, warum der Minkwal wieder ohne jede Beschränkung gejagt werden solle: Er sei die "Schabe der Meere".

Japan leistet in der Karibik großzügig "Entwicklungshilfe" und kauft von Grenada bis St. Lucia Stimmen für die nächste Walfangkonferenz. Dann soll die Jagd wieder freigegeben werden.

TAGS: Beschränkung | Japan | Karibik | Meere | Schabe

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FREITAG, 04. JÄNNER 2002

Nächster Stopp bei Gerry und Judith in Takata. Ihre Farm liegt über der Golden Bay. Vom Osten der Bucht führt ein Schotterweg zu rotgoldenen Stränden am Rand des Abel Tasman-Nationalparks. Bilderbuch.

TAGS: Abel | Rand | Schotterweg | Stränden | Tasman

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SAMSTAG, 05. JÄNNER 2002

Takatas größte Sehenswürdigkeit heißt "Tame Eels". Vor mehr als fünfzig Jahren hat eine Frau an einem kleinen Bach begonnen, Aale zu füttern. Nach ihrem Tod haben die Besitzer der Ben Carri-Farm die Fische in einem Sack an ihr Flußufer transportiert und dort ausgesetzt. Jetzt kommen rund siebzig dicke, alte Aale auf ein Fingerschnippen im Wasser hin zur Fütterungsstelle. Im klaren Bergwasser haben sie ihre Farbe von grün auf tiefschwarz geändert. Nebeneinander schieben sie sich eine Armlänge auf den Weg, um den Kindern das Fleisch von einem Stecken zu nehmen. Meinen Wunsch, einen der Aale zu essen, versteht niemand.

TAGS: Aale | Bergwasser | Fütterungsstelle | Farbe | Wasser

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SONNTAG, 06. JÄNNER 2002

Zu Mittag hole ich Pelle vom Flughafen in Christchurch ab. Wir fahren zu Wolfgang nach Greymouth, einem der erfahrensten Fischer Neuseelands. Unterwegs berichtet Pelle aus der sonderbaren Welt des Tierschutzes. Nicht das amerikanische Oppossum, sondern die australische Beutelratte namens "Possum" bedroht die neuseeländische Vogelwelt. Daher wird das Possum mit Blei, Fallen und Gift verfolgt. Neuseeländer, die in Australien rein aus Gewohnheit jedes auftauchende Possum erschlagen, erleben die andere Seite: Das Possum ist in Australien vom Aussterben bedroht und daher streng geschützt. Der neuseeländische Vandale wird streng bestraft.

In Neuseeland wieder wird nicht nur das Possum, sondern auch der Rothirsch vergiftet. Weil er das Unterholz des alten Busches niederfrisst, werden vergiftete Karotten aus Flugzeugen abgeworfen. Leider nascht auch die Biene davon.

Nach achthundert Kilometern Fahrt sind wir da. Wolfgang empfängt uns mit zwanzig Flußbarschen. Wer mit ihm die tollsten Fische und Tiere finden will, kann das übrigens von Österreich aus buchen:
e-mail: wolfgang@clear.net.nz.

TAGS: Australien | Pelle | Possum | Unterholz | Wolfgang

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MONTAG, 07. JÄNNER 2002

Rund um Greymouth warten die Orte der Westküste auf die Rückkehr der großen Grubenzeit. Gold und Kohle haben die Gegend ein paasr Jahrzehnte lang blühen lassen. Jetzt kennt man Greymouth nur noch, weil dort das Monteith- Bier erfunden worden ist (dunkles, herbes Ale - wunderbar). Blackpool pflegt am Grey River ein letztes miner's pub und ist für seine Salami berühmt (scharf, dünn, wäßrig - grauslich).

Die neue Trinkwasseranlage ist gerade unter der Deponie gebaut worden. "Wenn was passiert, haben wir das chemisch im Griff."

TAGS: Ale | Blackpool | Grey | Greymouth | River

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DIENSTAG, 08. JÄNNER 2002

Grey River, Arnold, über den Lewis-Paß nach Culverton - wir fischen weiter und fangen nichts. Natürlich liegt es nicht an unserer ausgefeilten Technik, mit der wir Lachsen und Forellen prachtvolle Fliegen, Nymphen und Streamer vorlegen. Das Wasser ist schuld, es ist zu hoch.

Neuseeland weiß, dass besessene Fliegenfischer viel Geld und alle Fische im Land lassen. Damit niemand einen wirtschaftlichen Anreiz zum Leerfischen der Flüße hat, sind die Forellengesetze beschlossen worden: Forellen dürfen weder gezüchtet noch gehandelt oder im Restaurant angeboten werden. Das Kapital der Fliegenfischerei bleibt unangetastet.

TAGS: Anreiz | Fische | Forellen | Geld | Land

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MITTWOCH, 09. JÄNNER 2002

Was gibt es Schöneres als einen Streamer in einer versandeten Flussmündung stundenlang durch die Brandung an Lachsen vorbeizuziehen ?

Auf der Fahrt nach Woodsend, einem Vorort von Christchurch, fallen mir zum ersten Mal die vielen uralten Autos aus Japan auf. Pelle erklärt: "Bei uns ist kein Katalysator vorgeschrieben. Der Wind bläst den Dreck eh weg, sagt die Regierung. Die Japaner haben das kapiert und verkaufen uns ihre alten Autos." So ist Neuseeland die Altwagendeponie Japans, und Auckland wundert sich, daß seine Luftwerte bereits schlechter als die im Zentrum Londons sind.

Rainer und Ursula aus Graz nehmen uns in ihrem Prachthaus in Woodsend auf. "GE-free" steht an der Einfahrt. Von Schirmulmen bis zu altem Eukalyptus steht wieder eine grüne Insel im städtischen Spekulationsgebiet.

Einen Kilometer weiter nordöstlich wollen Developer mit einer neuen Stadt schnell Geld machen. Ursula hat sich in ihren Weg gestellt, und seitdem wissen die Bauleute die "bloody Austrians" zu schätzen. Die Bürgermeisterin ist bereits gemeinsam mit zwei Dritteln der Stadträte abgewählt worden. Aber die neuseeländischen Gesetze begünstigen das schnelle Geschäft.

TAGS: Autos | Eukalyptus | Insel | Ursula | Woodsend

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DONNERSTAG, 10. JÄNNER 2002

Die Haare der Possums werden mit Merinowolle vermischt und geben eine seidige, luftige Wolle. In "Untouched World" zeigen ein paar Neuseeländer, wie man aus einem Problemtier eine nützliche Sache macht. Mit rustikalen Mustern und englischem Geschmack führen sie gleich auch vor, wie man an den urbanen Märkten Europas vorbeiproduziert. Es fehlt ein Italiener.

TAGS: Europas | Geschmack | Italiener | Märkten | Mustern

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FREITAG, 11. JÄNNER 2002

Abschied von Neuseeland. Nur der Abschied vom grünen Musterland ist endgültig. Neuseeland ist noch schön, weil hier einfach so wenige Menschen leben. Die Mehrheit der Wenigen bemühen sich nach Kräften, die Natur mit Abgasen, Pestiziden, Dioxin und Gentechnik zu erledigen. Auch dem Neuseeländer wird der Beweis gelingen, dass die Krone der Schöpfung erst in der Öde der Industriewelt zur Geltung kommt.

TAGS: Abschied | Beweis | Gentechnik | Neuseeländer | Neuseeland

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MONTAG, 14. JÄNNER 2002

Zurück. Nebel, kalt, Volksbegehren.

TAGS: Nebel | Volksbegehren

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DIENSTAG, 15. JÄNNER 2002

Madeleine Petrovic geht nach Niederösterreich und Brigit Weinzinger kommt in den Nationalrat. Für Niederösterreich ist das sicher eine Verstärkung.

TAGS: Brigit | Niederösterreich | Verstärkung | Weinzinger

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MITTWOCH, 16. JÄNNER 2002

Ein Berg Arbeit wartet: Stapo-Reform, Handy-Überwachung, Abfangjäger... „Daneben" wird es höchste Zeit, die Grünen inhaltlich auf Wahl und mögliche Wende vorzubereiten. Derzeit dreht sich alles nur um Personal und Statuten. Die Startplätze werden genau verteilt - wohin auch immer es dann gehen soll.

Mein Entwurf zur Sicherheitspolitik ist derzeit noch das einzige Papier, mit dem eine Neupositionierung der Grünen versucht wird. Bis Mai sollte die interne Diskussion soweit sein, dass wir gemeinsam etwas Neues vorstellen können. Aber was ist mit Sozialem, Bildung, Ökologie ?

Das Volksbegehren läuft. Die Leute lassen sich für dumm verkaufen. Die Gegenposition ist noch zu schwach, weil die SPÖ wieder wackelt. Gusenbauer weiss auch diesmal nicht, ob seine Partei ohne die Leine der Krone auf die Strasse darf.

TAGS: Bildung | Diskussion | Grünen | Sozialem | Volksbegehren

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DONNERSTAG, 17. JÄNNER 2002

Nein, bitte nicht, um Gottes Willen ! Es ist passiert. Ich habe zum ersten Mal Monika Forstinger in ihrer Paraderolle als Verkehrsministerin im Ausschuss gesehen. Alles, was ich zuvor abfällig über Frau Sickl geäußert habe, gilt nicht mehr. Die Ministerin setzt neue Maßstäbe.

Es geht um die Überwachungsverordnung. Das Verkehrsministerium hat mit der Verordnung nach einem gescheiterten Anlauf jetzt die technischen Standards für die Überwachung aller Telefone festgelegt. Damit kommt die Polizei zum ersten Mal legal ins Handynetz.

Forstinger hat dem Hauptausschuss dazu den Text mit einem Begleitbrief geschickt. Darin erklärt sie, dass die Verordnung am 22. Oktober erlassen und am 30. November kundgemacht worden ist. Warum sie damit erst nachher ins Parlament kommt, ist ihr selbst plötzlich auch rätselhaft. Wahrscheinlich wird sie nach dem Ausschuss ein ernstes Wort mit Forstinger reden.

Dann verlangt der SPÖ-Abgeordnete Peter Schieder Aufklärung, warum Erlass und Kundmachung, die doch zeitmäßig eins sind, hier auseinanderfallen. Forstinger kontert mathematisch scharf: „Herr Abgeordneter, zwischen Erlassung und Kundmachung sind ja eh nur elf Tage vergangen." Die Zeit zwischen dem 22. Oktober und dem 30. November ist der Ministerin kurz geworden.

Ich frage nach der Rufdatenrückerfassung - der Möglichkeit, alle Daten vergangener Gespräche abzufragen: wer wann in welcher Funkzelle mit wem telefoniert hat. Damit lassen sich bei Handys erstklassige Kontakt- und Bewegungsprofile anfertigen. Ich frage einmal, zweimal, dreimal. Plötzlich antwortet die Ministerin: „Herr Abgeordneter, ich habe zum Rufdatenrückfluss schon alles gesagt." Der Beamte neben ihr versinkt.

Es ist passiert. Nur einmal hat sie die strenge Regel, dass sie alle Sachfragen sofort an ihre Beamten weitergibt, durchbrochen. Und schon ist ihr mit dem Rückfluss wieder etwas gelungen. Wahrscheinlich ist eine Schnittstelle für sie ein Küchenbrett, Online eine lustige Musikgruppe, ein Chip ein Knabbergebäck auf Erdäpfelbasis und ein Mikroprozessor ein kleiner Rechtsanwalt.

Die Verwirrung steigt. Helene Partik-Pablé versucht, für ihre Parteifreundin Fragen zu beantworten und kommt ins Schleudern. Plötzlich weist sie mich zurück: „Herr Minister, Sie haben ja überhaupt keine Ahnung !" Ich weigere mich, das Amt anzunehmen.

Günter Stummvoll von der ÖVP plädiert für eine schriftliche Beantwortung meiner Fragen. Seine Begründung bringt Licht in die Mehrheit: „Das sind so komplizierte Sachen, da kennen wir uns ja eh nicht aus. Da ist es besser, wenn wir jetzt gar nicht darüber reden." Die Verordnung wird mit Mehrheit zur Kenntnis genommen. Das Parlament lebt, und wir gehen wieder nach Hause.

Eva Lichtenberger zerkugelt sich über meine tiefe Erschütterung. Ausschuss für Ausschuss erlebt sie Monika Forstinger. „Es ist immer so." Offensichtlich ist es wahr, dass heutzutage jeder Minister werden kann.

TAGS: Forstinger | Herr | Ministerin | Verordnung

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FREITAG, 18. JÄNNER 2002

Wir werden die Abfangjäger abfangen. Ein Bekannter aus der Luftwaffe berichtet mir, wie kreuz und quer interveniert wird und wie der Bundeskanzler vom amerikanischen Präsidenten auf F 16-Linie gebracht worden ist. Da gibt es noch einiges zu recherchieren, aber es wird kaum jemanden wundern, wenn sich am Ende herausstellt, dass Schüssel sich wieder einmal ins Rüstungsgeschäft eingebaut hat.

Dreißig Milliarden - das sind fast zehntausend Schilling pro Haushalt. Die FPÖ wird ihren "kleinen Leuten" erklären müssen, warum sie einen Luftraum, der vollkommen sicher ist, um jeden Preis schützen müssen.

TAGS: Haushalt | Leuten | Luftraum | Preis | Schilling

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SAMSTAG, 19. JÄNNER 2002

Bundeskongress in Innsbruck. Am Flughafen besichtige ich als erstes den Ortlieb-Tatort in der Tiefgarage. Ortlieb ist wieder im Parlament. Aber wo ist der Slip ?

Der Kongress diskutiert Statuten. Das ist wichtig, weil wir für den Fall aller Regierungsfälle statutarisch bestens gerüstet sein müssen. Der Rest der Republik streitet derweilen über politische Fragen. Ab morgen sollten wir uns schleunigst wieder um diesen "Rest" kümmern.

Die Statutenänderungen gehen so durch, wie es sich der Bundesvorstand gewünscht hat. Nur einen einzigen Punkt ändert der Kongress: Vor Regierungsverhandlungen bestimmt nicht der Vorstand, sondern der erweiterte Bundesvorstand vom Verhandlungskomittee bis zum Regierungsübereinkommen alles wesentliche. Gut so.

Bis zur Wahl sind jetzt alle Fragen rund um Statuten, Organisation und Struktur vom Tisch. Jetzt hindert uns nichts Internes mehr an der Politik.

Das Klo verhindert eine Kontroverse. Johannes Voggenhuber wollte bei dem Punkt "Bestellung von stellvetretenden Bundessprechern" eine kritische Rede zum Zustand der Partei halten. Als er aufgerufen wird, ist er nicht da. Das Präsidium sucht ihn vergeblich und geht in der Tagesordnung weiter. Johannes kommt zurück und ärgert sich: "Nicht einmal pinkeln gehen kann man mehr in dieser Partei !"

TAGS: Bundesvorstand | Fragen | Johannes | Punkt | Statuten

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SONNTAG, 20. JÄNNER 2002

Sascha hält sein Grundsatzreferat. Er zieht von einem Thema zum anderen, streut Anekdoten ein, unterhält und erzählt. Kaum ein Journalist versteht, was er eigentlich tut. Aber bei den Delegierten kommt die Hauptbotschaft an: "Nur gemeinsam sind wir etwas, und dass wir heute am Sprung zur Mittelpartei stehen, die FPÖ überholen wollen und vielleicht in einer Regierung landen, das habt ihr geschafft." Der Kongress wird zum Parteitag. Wenn die Delegierten nach Hause fahren, nehmen sie das Bewußtsein mit, dass sie an etwas Wichtigem beteiligt sind - und dass der Erfolg auch von ihnen abhängt.

Gusenbauer, Haider, Schüssel - auch an ihren Parteitagsreden merkt man, dass ihnen die Partei und die Menschen darin völlig wurscht sind. Ihre Reden wenden sich an die Medien. Die Delegierten sind nur Staffage. Bei Bedarf werden sie durch einen schönen Baum, Kühe oder Kinder ersetzt.

Die politische Kritik von Johannes Voggenhuber wird daneben an den Rand gedrängt. Natürlich hat Johannes in vielem Recht. Die strategische Vorbereitung auf die Wahlen ist dürftig, die Inhalte fügen sich noch lange nicht zu einem neuen Ganzen zusammen. Vieles fehlt, manches ist überholt. Viel Zeit haben wir nicht mehr. Das Temelin-Volksbegehren ist schon die Lunte an der Koalition.

TAGS: Delegierten | Johannes | Kühe | Kinder | Kritik

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DIENSTAG, 22. JÄNNER 2002

Lieber Peter, alles Gute zum Geburtstag. - Danke.

Ein schöner Geburtstag beginnt im Amerikahaus. Dort will Lt.General Tome H. Walters im Namen seiner amerikanischen Regierung den Medien seine F 16 verkaufen. Ich setze mich in die erste Reihe und frage ihn: "Österreich ist von NATO-Freunden umgeben. Haben wir mit 24 F 16 eine Chance, uns gegen sie zu verteidigen ? Walters antwortet mit einem freundlichen Witz: Er hoffe, dass Österreich mit den F 16 nicht die NATO angreife.

Ich informiere ihn dann noch, dass wir uns öffentlich verpflichten werden, die Abfangjäger im Falle einer grün-roten Regierung zu stornieren. Wahrscheinlich ist er jetzt eher für schwarz-blau.

Dann kriege ich einen Haufen schöner Geburtstagsgeschenke von lauter guten Freunden. Super.

TAGS: Freunden | Geburtstag | Nato | Walters

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MITTWOCH, 23. JÄNNER 2002

Der Standard lädt mich ein. Ich soll einen Kommentar über die Kronenzeitung schreiben. Mach ich doch mit Freude.

TAGS: Freude | Kommentar | Kronenzeitung | Mach | Standard

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DONNERSTAG, 24. JÄNNER 2002

Besorgte Parteifreunde rufen mich an. „War das wirklich notwendig ? Während dem ganzen Volksbegehren haben wir das Wort ´Krone´ nicht in den Mund genommen, und jetzt, wo alles vorbei ist, fährst du dem Dichand so ins Gesicht?" Natürlich sind wir einer Meinung: Die Kronenzeitung hat rund um das Volksbegehren der FPÖ ihre Macht mißbraucht. „Aber wir stehen ja vor Wahlen. Denkst du da auch daran ?"

Ich denke. Und dabei fällt mir wieder einmal eines auf: Wir Grüne haben ein seltsames und unklares Verhältnis zur Macht. Eva Glawischnig hat das vor kurzem wieder einmal so schön missverständlich formuliert: „Es geht jetzt nicht um Inhalte, sondern um die Machtfrage." Was ist jetzt diese „Machtfrage" ? Und warum ist sie eine Frage ?

Wie jede Partei können Grüne um Macht kämpfen - oder sich an bestehende Macht anpassen. Zu ersterem gehört der Glaube, aus eigener Kraft etwas bewirken und verändern zu können. Zu letzterem gehört ein großer Teil von uns Grünen.

Wer etwas verändern will, muss darauf erstens sachlich genau vorbereitet sein. Er muss bis ins Detail wissen, worum er kämpft. Zweitens muss er wissen, wie es geht: wann, mit wem und gegen wen. Und drittens muss er bereit sein, Interessen zu verletzen. Man setzt nichts Neues durch, ohne etwas Altes anzugreifen.

Wer Interessen verletzt, geht Risiko ein. Egal ob Sozialpartner, agrarchemische Konzerne oder ein Zeitungskartell - alle werden ihre Interessen mit allen Mittel verteidigen. Hans Dichand hat dabei schon oft gezeigt, dass er dabei sehr weit geht.

Eines der wenigen offenen Erfolgsgeheimnisse von Politik liegt darin, dass man Machtmißbrauch dann angreift, wenn alle glauben, dass es gegen Übermächte geht. Alle jammern und warten, dass jemand etwas tut. Je älter und überlebter der Filz ist, desto besser stehen die Chancen für den, der hineinschneidet. Was vielen chancenlos scheint, ist meist eine große Möglichkeit - wenn man sich gut vorbereitet und dann angreift - mit Tempo, Überzeugung und Vergnügen. Es wird Zeit, dass sich die Grünen wieder daran erinnern.

TAGS: Dichand | Interessen | Machtfrage | Volksbegehren

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SAMSTAG, 26. JÄNNER 2002

Werner Vogt braust hinunter und ich hintennach. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein von Jochberg bis zum Pass Thurn und wieder zurück. Beim Wirt gibt es Oberinntaler Kuttelsuppe, Graukäse und ein paar Ideen für das Sozialstaatsvolksbegehren. Wenn wir es gut machen, kriegt das Volksbegehren von Werner Vogt und Stefan Schulmeister mehr Unterschriften als das Schwindelbegehren von Kronenpartei und Freiheitlicher Zeitung.

TAGS: Schulmeister | Stefan | Vogt | Volksbegehren | Werner

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MONTAG, 28. JÄNNER 2002

Ich bin wieder im Parlament. Aber wo ist Patrick Ortlieb ? Verschüttet ? Verschollen ? Verslipt ?

TAGS: Ortlieb | Patrick | Verschüttet | Verschollen | Verslipt

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DIENSTAG, 29. JÄNNER 2002

Wir oder das Chaos - so müssen wir uns wohl angesichts des Regierungszustandes präsentieren. Es ist immer dasselbe: Am Vormittag brennt im Klagenfurter Landhaus eine Sicherung durch, am Nachmittag wird der Regierungsstromausfall gemeistert, und am nächsten Tag analysieren tiefernste Journalisten die Faschingsideen aus dem Süden. Es ist ein bißchen seltsam: Dieselben Journalisten, die immer wieder sachlichen Ernst einfordern, schreiben sich die Finger über jeden Faschingsgag wund. Wenn man blind alles apportiert, darf man sich doch nicht beklagen, wen ständig Hölzer geworfen werden.

Langsam sickern die echten Abfangjäger-Kosten durch. Das wird noch heiter.

TAGS: Ernst | Faschingsideen | Finger | Hölzer | Journalisten

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MITTWOCH, 30. JÄNNER 2002

Die FPÖ stellt einen Dringlichen Antrag. Helene Partik-Pablé begründet, warum der Ausländer am Frächter-Skandal schuld sei. Alle erzittern vor Lachen.

Dann berichtet die SP-Abgeordnete Doris Bures über die politischen Querverbindungen. Die Spur führt zum blauen Wirtschaftskammerrat. Madeleine Petrovic setzt nach und präsentiert weitere Fakten. Schön langsam wird die Geschichte tiefblau.

Nach Madeleines Rede setze ich mich schnell zum Klubcomputer und lasse den Namen "Kralowetz" durchlaufen. Das Jahr 1989 bringt einen Volltreffer. Karl Kralowetz hat in der Firma seines freiheitlichen Bruders Rainer Tankwagen abwechselnd mit Dieselöl, giftigen Chemikalien und Fruchtsaft kreuz und quer durch Europa fahren lassen. Ausgewaschen wurde dazwischen nicht - freiheitlicher Fruchtsaft schmeckt eben etwas streng. Die Chauffeure wurden angehalten, Zollpapiere zu fälschen. 13 Jahre später sitzt Karl Kralowetz in Luxemburg in U-Haft. Dazwischen wurde er von Interessensvertretungen gut geschützt.

Ich melde mich und erzähle vom Saft und von der großen Neuerung: Früher stand hinter jedem Schwarzarbeiter ein Schwarzunternehmer. Jetzt stehen hinter den meisten Schwarzarbeitern Blauunternehmer. Zum Abschluss tritt Werner Kogler ans Pult: "Ich bedanke mich bei der FPÖ für die erste Dringliche Selbstanzeige".

Selbstverständlich berichtet der ORF am Abend fast ausschließlich über die mutigen Reformideen der Regierung in ihrem Kampf gegen die Schwarzarbeit. Dort am Küniglberg, wo es nie Schwarzarbeiter gegeben hat, betrachten wir zum ersten Mal eine neue Form des Beschäftigten: den Blauarbeiter.

Zu Mittag Schock ! Gleich vor dem Parlament taucht ein stehend fahrender Polizeimotoradler mit Blaulicht und Krach am Ring auf. Dahinter folgt eine Wagenkolonne. Der dritte Wagen ist mit der Fahne der Vereinten Nationen geschmückt. Hinten drückt sich Kofi Annan in die rechte Ecke. Wie ein Raubvogel breitet sich Benita Ferrero-Waldner über ihn. Mit der Rückseite ihres Kostüms verdeckt sie den Großteil des Wagenfensters. Später im Fernsehen stellt sich heraus, dass der Generalsekretär die Fahrt heil überstanden hat. Das ist eine gute Nachricht.

TAGS: Beschäftigten | Fruchtsaft | Kralowetz | Schwarzarbeiter

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DONNERSTAG, 31. JÄNNER 2002

Die SPÖ hält die Dringliche, die sie immer hält: Generalabrechnung. Alfred Gusenbauer präsentiert dem Kanzler den Bauchladen aller Themen: Inflation, Verfassungsgerichtshof, Steuerquote, Haider, Arbeitslosigkeit, Temelin, Europa... Leider tut sich Schüssel mit der Antwort leicht. Weniger wäre besser und treffender gewesen.

Die SPÖ macht immer denselben Fehler: Generelle Fragen nach der Art „Wie wollen Sie dieses Problem lösen ?" geben dem Kanzler alle Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Fragen müssen spitz und hart sein und präzise gesetzt werden, sonst dringen sie nicht durch die Oberfläche.

Auf Schüssel folgt Cap und hält eine geplant lustige Rede. Cap macht Witze über Personen. Sein Beweisthema lautet: „Herr X ist eine lächerliche Figur." Politisches Anliegen ? Die Sozis zerkugeln sich.

Vieles im Parlament funktioniert so. Redner wie Cap richten sich in erster Linie an die Eigenen: „Die anderen sind die größten Eier. Im Verhältnis zu ihnen sind wir Superburschen." Die Superburschen lehnen sich beruhigt zurück.

Dann reden viele noch lange, und dann gehen wir nach Hause. Alle Reden sind abgelassen, bis morgen früh ist der zettelverstreute Plenarsaal wieder aufgeräumt.

TAGS: Figur | Fragen | Kanzler | Schüssel | Superburschen

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