Tagebuch / April 2003

DIENSTAG, 01. APRIL 2003

Wie soll das weitergehen ? Ein amerikanischer Sieg mit folgender Besatzung ist die Pest, ein Sieg Saddams die Cholera. Wenn die USA gewinnen, werden sie als Besatzer die ganze arabische Welt gegen sich einigen. Manches erinnert an den sogenannten Russlandfeldzug, als Stalin eine Woche untertauchte und dann als nationaler Retter, der sich an Marx, Lenin und alle orthodoxen Heiligen wandte, wieder auftauchte. Natürlich sind die USA nicht Nazideutschland. Der Irak wird auch kein Afghanistan, sondern vielleicht viel schlimmer. In den Millionenstädten des Irak stehen den US-Besatzern keine verstreuten Stämme, sondern Milizen, die aus dem Nichts operieren, gegenüber. Seit Jahrzehnten versuchen orts- und terrorkundige Israelis, die Zellen der Terroristen aus viel kleineren und übersichtlicheren Gebieten zu entfernen.

Aber Colin Powell hat schon Appetit auf mehr. Wenn die Truppen schon dort sind, dann kann gleich nach Syrien weitermarschiert werden. Das Bush-Regime ist endgültig außer Kontrolle geraten. Es wird Zeit, dass sich Europa in den Weg stellt und klar macht, dass eine Ausweitung des Kriegs auf Syrien zum transatlantischen Bruch führen muss.

„Zunächst möchte ich Madeleine Petrovic zu ihrem großartigen Wahlerfolg in Niederösterreich gratulieren. Zugleich bedaure ich außerordentlich, dass ich nicht die Grünen, sondern Landeshauptmann Pröll unterstützt habe. Besonders bedaure ich aber die Zurücklegung des Ehrenobmanns des Grünen Parlamentsklubs. Ich würde diese Zurücklegung gerne ungeschehen machen und ersuche den Parlamentsklub, darüber zu entscheiden." Als die APA Herbert Fux mit seiner Aussage konfrontiert, versteht er die Welt nicht mehr. Ein paar Abgeordnete hier im Klub haben ihn in den April geschickt. Dort gehört er auch hin.

Die profil-Chefredaktion hat den ersten Preis beim großen Mariazeller Giebelkreuzzeichnen gewonnen. Der Herausgeber wird vom Landeshauptmann eine große Schachtel Buntstifte entgegennehmen. Sie sind alle schön schwarz. Die Chefredaktion freut sich schon.

TAGS: Grünen | Irak | Landeshauptmann | Welt

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DONNERSTAG, 03. APRIL 2003

Am Rande des Kriegs läuft eine seltsame Debatte: Soll es einen fliegenden Wechsel der Grünen zur ÖVP geben ? Die Antwort ist einfach: nein. Wir sind nicht der Notnagel eines Kanzlers, der sich verspekuliert hat.

Schüssel weiß, dass er mit zunehmender Geschwindigkeit in einer Sackgasse unterwegs ist. Die Freiheitlichen zerfallen. Oberösterreich und Tirol können im Herbst schon das Ende sein. Dort, wo es in der Gasse nicht mehr weitergeht, hat sich seit Sonntag Erwin Pröll postiert. Wenn der Kanzler in voller Geschwindigkeit gegen die Mauer kracht, wird Erwin Pröll "Hoppla" rufen.

Die Sozis und wir sind die einzigen, die Wolfgang Schüssel noch seine 42 Prozent sichern können. Wahrscheinlich wird er früher oder später ein "gutes" Angebot machen. Wenn die Sozis halten, kann es nur eine Antwort geben: Wahlen. Dann wird sich zeigen, ob die Wählerinnen und Wähler von einem Kanzler, der schon die dritte Regierung verspielt haben, endlich genug haben. Wenn Schüssel dann noch einmal gewinnt, kann man aus dem Nationalrat ein Casino machen. Dann geht es wirklich nur noch ums Spiel.

TAGS: Erwin | Kanzler | Pröll | Schüssel | Sozis

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SAMSTAG, 05. APRIL 2003

Ganz am Ende des Tiroler Pitztals steigen wir in die U-Bahn, um auf den Gletscher zu fahren. Die lokale Macht des Fremdenverkehresverbands, der uns eingeladen hat, ist beeindruckend. Mitten in ein riesiges verschneites und verblasenes Schlechtwettergebiet haben die Pitztaler für einen Tag ein Sonnenfenster rund um die Wildspitze geschnitten. Daher schnaufe ich die nächsten zweieinhalb Stunden durch die dünne Luft bergauf. Dann stehen wir auf dem zweithöchsten Berg Österreichs.

Unten im Tal verraten die Pitztaler ihr nur halb geglücktes Vorhaben. Sie hätten noch einen zweiten Politiker eingeladen, und wir hätten uns dann zufällig getroffen. Wer es ist ? Ernst Strasser, aber der Innenminister habe wegen schlechter Wettervorhersage kurzfristig abgesagt.

Ich kenne die Pitztaler als tüchtiges PR-Volk. Ein paar hübsche Fotos wären zur Erinnerung angefertigt worden und gleich am Montag hätte jeder unter einem besonders schönen von ihnen in der Zeitung lesen können: „Schwarz-Grünes Gipfeltreffen im Pitztal – bringt das schöne Pitztal den fliegenden Wechsel ?"

TAGS: Fotos | Pitztal | Pitztaler | Volk | Wettervorhersage

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SONNTAG, 06. APRIL 2003

Günter Stummvoll kassiert eine Regierungspension, damit er bei seinem Abgeordnetenbezug nicht verhungert. „Ich bin Klubobmannstellvertreter, Obmann des Finanzausschusses und einer der besten Redner im Parlament." Dafür kassiert Stummvoll neben den 6000 Euro für seine tollen Reden noch einmal soviel als pensionierter Staatsekretär. Damit kann er das Schmerzensgeld für seine Reden im Plenum des Nationalrats locker bezahlen.

TAGS: Nationalrats | Reden | Schmerzensgeld | Staatsekretär | Stummvoll

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MONTAG, 07. APRIL 2003

„Sehr geehrter Herr Kollege Cap", (Khol, Verzetnitsch, Stummvoll, Fasslabend, Nürnberger, Partik-Pablé und 13 andere mehr), beginnt mein Brief an die Abgeordneten, die wie ich am Vorabend des Pensionskahlschlags noch Anspruch auf die alte Politikerpension haben.

„Wir stehen vor einer Pensionsreform, von der viele Betroffene befürchten, unfair behandelt zu werden. Während Frauen, die mehr als dreißig Jahre lang Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt haben, nicht wissen, ob sie am Ende ihres Arbeitslebens Fälle für die Ausgleichszulage werden, gibt es eine Berufsgruppe, denen Sorgen dieser Art fremd sind: uns.

Wie ich selbst haben auch Sie aufgrund der gesetzlichen Lage Anspruch auf eine „Politikerpension" erworben. Wir alle sind vom ASVG ausgenommen und können ab einem bestimmten Alter nach nur zehn Beitragsjahren eine Nationalratspension, nach nur acht Jahren eine Wiener Landtagspension beziehen.

Einige von uns arbeiten jetzt schon als Minister- oder Staatssekretärspensionisten weiter bei vollen Bezügen im Nationalrat. Ich schlage vor, uns allen durch eine gemeinsame Initiative zur Änderung der gesetzlichen Bestimmungen eine Pensionsregelung zu ermöglichen, die für alle verständlich und akzeptabel ist. Dazu schlage ich zweierlei vor:

Zum ersten soll gesetzlich verhindert werden, dass aktive Mitglieder von Landtagen, dem Nationalrat, Landesregierungen oder der Bundesregierung während ihrer Tätigkeit einen Ruhegenuss aus einem der vier Bereiche beziehen können.

Zum zweiten sollten wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass rückwirkend alle unsere Beitragsjahre aus den vier genannten Bereichen in ASVG-Anspruchsjahre umgewandelt werden.

Sollte es hier in Bezug auf den Vertrauensschutz größere Bedenken als bei Eingriffen in die Pensionen der meisten anderen Menschen geben, so bin ich gerne bereit, an der verfassungsmäßigen Absicherung einer entsprechenden Regelung mitzuwirken.

Ich schlage vor, das Problem der Politikerpensionen vor einer etwaigen Pensionsreform zu lösen und bin mir sicher, dass ich dabei auf Ihr volles Verständnis treffe.

Ich nehme an, dass Sie sich auch im Interesse unserer gemeinsamen Glaubwürdigkeit an diesem Reformschritt beteiligen werden und werde mich daher nach erfolgter positiver Rückmeldung um einen ersten Gesprächstermin bemühen.

Mit besten Grüßen, Peter Pilz"

Anfang der neunziger Jahre habe ich zum ersten Mal versucht, das ASVG als Grundlage für die Pensionen der Politiker durchzusetzen. Damals wie heute waren drei Parteien anderer Meinung. Aber jetzt wird der Widerstand der hohen Pensionsanwärter bröckeln. Die Menschen fragen sich zurecht: Warum gilt der Vertrauensgrundsatz nur für Politiker ? Warum zahlen Kleinverdiener ein Leben lang ein, um dann um ein Drittel geprellt zu werden ? Warum sollen Arbeiterinnen mit ihrer Pension für unsere Privilegien gerade stehen ?

Der Brief geht heute an meine Kollegen. Auf die Antworten bin ich gespannt.

TAGS: Asvg | Jahre | Menschen | Politikerpension

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MITTWOCH, 09. APRIL 2003

Während der Endkampf um Bagdad läuft, bereiten die USA die Plünderung des Irak vor. Bushs Sponsoren stehen Konzession bei Fuß. Tony Blair feiert daneben seinen großen Erfolg: Wenn die USA die Speisekammer geplündert und die Küche verwüstet haben, darf Europa gemeinsam mit der UNO zusammenräumen.

Rund um mein Buch lerne ich den österreichischen Journalismus noch ein bisschen besser kennen. Etlichen von ihnen gefällt der Text nicht, weil er „unausgewogen" ist. Das ist das alte Schaumgummi-Österreich: Klare Standpunkte erfüllen den Tatbestand der Einseitigkeit. Gut ist, was verwaschen und verblasen beide Seiten vorkommen und leben lässt. Bei den vielen täglichen Arrangements mit Vorgesetzen, Eigentümern und deren politischen Freunden riecht Unabhängigkeit nach der Freiheit, um die man längst nicht mehr kämpft.

Mein Plädoyer gilt einer europäischen Klärung. Europa kann sich auf Dauer nicht um die alles entscheidende Frage herumschwindeln: kleiner Bruder der USA zu bleiben oder global dem US-Projekt der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vorherrschaft entgegenzutreten. Je schneller Europa mit dem Regime in Washington bricht, desto eher werden Alternativen eine Chance haben, in- und außerhalb der USA. Europa kann helfen, die USA wieder in die internationalen Gemeinschaften zurückzuzwingen – und damit zu zivilisieren.

TAGS: Europa | Freiheit | Plädoyer | Unabhängigkeit

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SAMSTAG, 12. APRIL 2003

Die amerikanische Demokratie hat gesiegt, und Bagdad wird geplündert. Ausgehungerte und demoralisierte Menschen ohne soziale und politische Perspektiven nehmen sich am kürzesten Weg alles, was in Reichweite ist. Dazwischen zerschießen nervöse US-Soldaten im Zweifel ganze Familien. Unter den weiten Gewändern könnte Sprengstoff sein.

Das Bush-Regime triumphiert und wird schon bald auf die nächsten terroristischen Anschläge als Rechtfertigung für den nächsten Krieg verweisen können. Das ist die Wahl, die die amerikanische Bevölkeung hat: zwischen Demokraten, die nicht wissen, was sie mit der einzigartigen amerikanischen Macht anstellen sollen; und Republikanern, die sie nach Strich und Faden missbrauchen. Natürlich ist jede Art Clinton oder Gore besser als die Bande um Bush. Aber eine Antwort auf die Frage, wie die Welt mit der amerikanischen Übermacht umgehen soll, ist das nicht.

TAGS: Bush | Demokraten | Faden | Republikanern | Strich

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SONNTAG, 13. APRIL 2003

Heute am Abend ist wieder Irak-Plauderstunde in „Offen Gesagt". Als einziger österreichischer „Experte" ist Jörg Haider geladen. Die Sendung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die Redaktion denkt sich ein paar Namen aus und legt sie den höheren Stellen zwecks politischer Genehmigung vor. Die höhere Stelle heißt Werner Mück und ist Chefredakteur aller Informationssendungen. Als Journalist kennt Mück vier Farben: schwarz, blau, schwarzblau und blauschwarz. Wenn die Redaktion Vorschläge macht, bleiben nach dem Mück-Filter Regierungspolitiker auf der Liste. Der Moderator stellt dann beinharte Fragen, die nichts machen, weil sie ohnehin von den Richtigen beantwortet werden.

Die seltsamen Kapriolen der österreichischen Irak-Politik, die europäischen Entscheidungen, um die sich Österreich drückt, die völkerrechtlichen Veitstänze des Kanzlers, die überfallsartigen Ankündigungen von Verteidigungsminister und Außenministerin, ohne Plan österreichische Soldaten und Polizisten in den amerikanisch kontrollierten Irak entsenden zu wollen, die Chancen für eine neue Türkei- und Israel-Politik – das alles kann nicht besprochen werden, weil das Haider egal sein wird. Stattdessen wird wieder einmal über die weltpolitischen Marotten des Landeshauptmanns diskutiert. So hat Haider doch noch einen Nutzen für das Kabinett Schüssel II.

TAGS: Haider | Irak | Mück | Politik | Redaktion

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MITTWOCH, 16. APRIL 2003

Die Union ist erweitert, und die Freiheitlichen sind mucksmäuschenstill. Während sie über ihre eigenen Privilegien schimpfen, haben sie zur Kenntnis genommen, dass die Einigung über sie hinweggegangen ist. Wenn das Kabinett Schüssel ein Verdienst hat, dann das: der FPÖ den rechtspopulistischen Widerstand gegen die europäische Einigung ganz einfach abgekauft zu haben.

Das neue Europa wird spannend. Wenn es gutgeht, werden alle davon profitieren. Aber jetzt werden einmal die europäischen Institutionen auf eine ernste Probe gestellt werden. Mit dem kleinstaatlichen Prinzip, jeder regionale Fürst müsse ein halbes Jahr oder wenigstens ein paar Wochen lang König spielen können, wird es bald vorbei sein müssen. Ein europäischer Außenminister oder eine Außenministerin ist ein Anfang. Wenn ein österreichischer Bundeskanzler einmal so etwas wie ein europäischer Landeshauptmann ist, dann haben wir die politische Integration geschafft.

TAGS: Einigung | Fürst | Jahr | König | Wochen

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DONNERSTAG, 17. APRIL 2003

Alle haben unterschätzt, wie tief die Pensionsreform die Menschen trifft. Es geht nicht nur um Pensionen. Es geht um den größten Vertrauensbruch, den die Politik seit langem begangen hat. Alle, die jahrzehntelang eingezahlt haben und darauf vertrauten, dass eine berechenbare Zukunft nach dem Ende der Arbeit auf sie wartet, fühlen sich betrogen. Schüssel und Haupt haben bis jetzt noch nicht verstanden, wie explosiv das Fass ist, dessen Lunte sie angezündet haben.

Bei der Vorbereitung auf die Würdigung des 50. Geburtstags eines guten Freundes durfte ich das geheimnisvolle Archiv von Siegi Mattl durchstöbern. Dabei fiel mir eine Originalmitschrift von Siegi aus unserer gemeinsamen Zeit im VSStÖ, dem Verband Sozialistischer Studenten, in die Hände. Siegi spricht im damaligen Jargon von sich als „Genosse Mattl". Dieser hält über die bevorstehenden Wahlen zum Vorstand des Wiener VSStÖ – dem Sektionsrat - fest: „Als die Kandidatur des Genossen Pilz bekanntgegeben wurde, kam einiges ins Rollen. Dies aufgrund des kurz zuvor in entstellter Form in der Volksstimme gebrachten Gesprächs mit einer Komsomol-Delegation, das für einige Aufregung in der SPÖ und zum Befehl, eine Entgegnung bzw. einen Prozess in/gegen die Volksstimme zu verlangen, führte. Gen. Cap hat es übernommen, bei Gen. Mattl zu intervenieren, und ihn zu ersuchen, auf eine Rücknahme der Kandidatur des Gen. Pilz hinzuwirken, da ein Sektionsrat Pilz eine unnötige Provokation der SPÖ bedeute („KP-Agent"). Vielmehr sollte Gen. Pilz – „den wir ja aufgrund seiner bewiesenen Fähigkeiten schätzen" – informell im Sektionsrat mitarbeiten, als offizieller Sektionsrat aber ein Scheinkandidat gewählt werden. Das wurde von allen SR-Kandidaten abgelehnt, da man sich nicht auch schon in Personalfragen der Partei unterwerfen dürfe."

Dreißig Jahre später hier auf meiner Huam liest sich das wie ein Ausblick auf das bemerkenswerte Wirken meiner damaligen Genossen in der Partei, der sie treu geblieben sind.

TAGS: Gen | Mattl | Sektionsrat | Siegi

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FREITAG, 18. APRIL 2003

Die Plünderer sehen den Plünderern beim Plündern zu. Während einheimische Plünderer ungehindert die Kulturschätze Bagdads fortschleppen dürfen, bereitet das Bush-Regime die Ölplünderung des Irak vor. Ein international bekannter Defraudant namens Ahmed Jalabi soll ihnen als Strohmann dienen.

Nach dem Völkerrecht zeigen die USA auch der Kultur, was sie von ihr halten. Die Konventionen, die kriegsführende Parteien verpflichten, Kulturgüter zu schützen, sind Bush und seinen Generälen ebenso Papierfetzen wie die völkerrechtlichen Verbote von Angriffskriegen und Massenvernichtungswaffen. Aber auch hier scheint ein Neubeginn möglich. Vielleicht wird das Bagdader Museum von Walmart übernommen.

Die beiden kurdischen Parteien KDP und PUK sind derzeit die einzigen stabilen Kräfte, die zu einem politischen Neuanfang im Irak beitragen können. Al Hakims Oberster Islamischer Rat versucht, die schiitische Mehrheit der Bevölkerung auf einen Kurs ohne USA zu bringen. Die Kurden müssen achtgeben, dass sie sich nicht an der Seite der USA von den arabischen Irakern hoffnungslos isolieren.

Viel hängt jetzt von der EU ab. Je früher Europa mit einem Friedensplan für die Region aktiv wird, desto größer ist die Chance auf einen Neubeginn in Bagdad. Dazu muss die EU aber unmissverständlich klar machen, dass die USA das Kommando an die UNO abgeben müssen. Kaum jemand glaubt, dass Bush und Rumsfeld dazu bereit sind. Wenn sich die EU jetzt aber mit der Rolle des braven kleinen Bruders, der alles zusammenräumt, was der gewalttätige größere zerstört hat, zufrieden gibt, haben die USA grünes Licht für den nächsten Krieg.

TAGS: Bush | Irak | Neubeginn | Parteien

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SONNTAG, 20. APRIL 2003

Ostersonntag. Besinnung, Wandlung. Darf Alfred Gusenbauer Wein mögen ? Darf er das im profil ? Darf man als Politiker Wein nur dann öffentlich mögen, wenn die Pensionen steigen ? Muss man in Zeiten drohender Pensionskürzungen heimlich trinken ? Sparzeiten sind die Hochzeiten der Heuchler. Wenn Gusenbauer ordentlich gegen die Plünderungspläne der Regierung kämpft, soll er zur Belohnung auch ganz besonders guten Wein trinken. Für den Sturz der vorliegenden Regierung lobe ich hiermit eine Flasche Chateau Montrose 1990 aus.

TAGS: Gusenbauer | Heuchler | Plünderungspläne | Wein

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DIENSTAG, 22. APRIL 2003

Die Luxemburger Grünen haben mich in ihre Hauptstadt eingeladen, damit ich mein Buch präsentieren kann. Gut vorbereitete Journalisten bei RTL, die genaue Fragen stellen, eine spannende Sache ganz einfach journalistisch aufarbeiten wollen und dabei sichtbar Freude an ihrer Arbeit haben - ich bin eindeutig im Ausland.

Die Stimmung ist auch hier freundlich antiamerikanisch. Niemand hasst die Amis, aber kaum jemand verteidigt sie. Die US-Interventionstruppen sollen Europa verlassen; nie wieder soll ein amerikanischer Angriffskrieg von Europa aus geführt werden - auch hier beginnt die Debatte, an deren Ende der amerikanische Abzug stehen wird.

TAGS: Amis | Ausland | Europa | Interventionstruppen | Stimmung

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DONNERSTAG, 24. APRIL 2003

Dürfen Sozialdemokraten beim Weintrinken Perücken tragen ? Nein, lautet die Antwort der Basis. Die Arbeitertrinker verstehen eben keinen Spaß.

TAGS: Antwort | Arbeitertrinker | Basis | Spa | Weintrinken

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FREITAG, 25. APRIL 2003

Wie billig soll Politik sein ? Die Sache hat zwei Seiten. Zum einen gebührt den Politpensionisten, die nach wie vor für die ÖVP im Nationalrat sitzen, der verdiente Tritt in die Stummvoll- oder Fasslabend-Hintern. Zum anderen muss einmal klargestellt werden, dass gute Politiker auch gut bezahlt werden sollen. Das Österreichische am System ist doch, dass alle auf die Pensionen starren – und niemand auf die Idee kommt, Politiker im Amt gut zu bezahlen und ihnen selbst zu überlassen, was sie über eine ASVG-Pension hinaus vorsorgen sollen. Die Spezialisten der Regierung sollen erst einmal selbst zeigen, dass sie zu privater Vorsorge in der Lage sind – bevor sie Mindestrentnerinnen auf den Aktienmarkt schicken.

Die Lager beginnen um die Pensionen zu marschieren. Dabei wird eines übersehen: Wie in allen bürgerlichen Parteien gibt es auch in der ÖVP weitab von Schüssel und Bartenstein einen starken christlich-sozialen Flügel. Unser Lagerausbruch mit den Regierungsverhandlungen hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn wir jetzt den Dialog mit den Christlichsozialen aufnehmen. Wenn Schüssel und ÖGB die Lagerbildung schaffen, wird gegeneinander marschiert und nichts gelöst. Aber wahrscheinlich wird in der ÖVP über das Wochenende ein parteiinternes Geschäft gemacht, und am Montag stehen alle wieder strahlend hinter ihrem Obmann.

TAGS: Aktienmarkt | Pensionen | Politiker | Regierungsverhandlungen | Schüssel

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SAMSTAG, 26. APRIL 2003

Schlechte Nachrichten aus Kurdistan. Die beiden kurdischen Parteien KDP und PUK feiern die Amerikaner, und die ersten schiitischen Gruppen bezichtigen die Kurden bereits des Hochverrats. Nach langer Zeit sehen sich die Kurden endlich wieder an der Seite der Sieger – und übersehen dabei, dass sie später nicht mit den Amerikanern, sondern mit den Arabern zusammeleben müssen.

Unter den Kurden, die in Europa leben, wächst die Besorgnis. Wenn einiges schief geht, ist sogar die Autonomie im Nordirak wieder in Gefahr.

TAGS: Amerikanern | Arabern | Europa | Kurden | Sieger

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MONTAG, 28. APRIL 2003

Es gibt keine Einigung über die Politikerpensionen. Nur wir wollen, dass auch alte Pensionen in das ASVG übergeführt werden. Die anderen sehen nicht ein, warum gerade sie als erste auf ihre Privilegien verzichten sollen. Wenn man den Frauen genug wegnimmt, bleibt schließlich mehr als genug für die Minister. Da hält der stille Altparteienkonsens: Für Futterneid ist in der alten Politik kein Platz.

Die ÖVP wollte uns um fast jeden Preis in eine Vier-Parteien-Einigung hineinziehen. Damit hätte sie jede Opposition gegen den Pensionsraub diskreditiert. „Wir haben es uns alle gemeinsam gerichtet" – das wäre die Botschaft an alle Betroffenen gewesen.

TAGS: Einigung | Opposition | Parteien | Platz | Preis

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DIENSTAG, 29. APRIL 2003

Pius Strobl wollte Mitglied der Wiener Grünen werden. Vier Mitglieder des Landesvorstands sind dagegen. „Kritikpunkt war das Aufscheinen deines Namens auf der Liste eines Personenkomitees, das der SPÖ nahe stand." Das teilte der Landesvorstand Pius Strobl schriftlich mit.

Pius ist Gründungsmitglied der österreichischen Grünen, war Bundesgeschäftsführer, Wahlkampfleiter, unser erfolgreichster ORF-Kurator und vieles andere mehr. Jetzt meinen vier Funktionäre, dass Pius nichts bei uns verloren hätte. Sie haben auch das Recht dazu, weil jeder von ihnen schließlich ein Vielfaches von Pius für die Grünen geleistet hat. Mit solchen Funktionären gewinnen wir jeden Blumentopf und jede Wahl. Vor den Vorhang mit ihnen !

Manchmal ist der Punkt erreicht, wo das Funktionärswesen zum Unwesen wird. Dann wird es Zeit, miteinander über ein Problem zu reden, das im gemeinsamen Interesse gelöst werden muss.

TAGS: Blumentopf | Funktionären | Grünen | Pius | Strobl

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