Texte

Ausgabe: http://www.derStandard.at

Hochmut, Abfangjäger, Fall

Vor dem Fall kommt bekanntlich der Hochmut. Genau in diesem Stadium befindet sich die Bundesregierung derzeit.

Das Objekt der Hochmut sind die Volksbegehren. 900 000 für Sozialstaat ? Kurze Parlamentsdebatte, weg damit. 600 000 gegen Abfangjäger ? Der Trick mit dem Sommerloch hat nicht funktioniert, also wieder: weg damit. Bis heute haben sich das alle Volksbegehren, von den Frauen über die Genttechnik-Gegner bis zu den beiden letzten, gefallen lassen. Es ist Zeit, damit Schluss zu machen.

Ich bin für eine Offensive der Volksbegehren: Sozialstaat und Abfangjäger tun sich zusammen, weil sie gut zusammenpassen. Die einen sagen, wofür es Geld geben soll, die anderen, wo man es vernünftig einsparen kann. Beide gemeinsam starten ein drittes, viel größeres Volksbegehren. Es hat ein einfaches Ziel: die Forderungen durchzusetzen.

600 000 und 900 000 zeigen, dass da noch viel mehr drin ist. Die Menschen haben vom zynischen Sparen – Pensionen runter, Militärbudget rauf – die Nasen voll. Die Regierung glaubt, eine wachsende Mißstimmung weiter ignorieren zu können. Der Deckel am Topf wackelt. Wenn noch etwas passiert, geht er in dieLuft.

Das große Volksbegehren käme in die Vorwahlzeit. Das ist der beste Zeitpunkt. Schüssel und Riess-Passer denken dann längst nicht mehr an Flugzeuge, sondern nur noch an eines: an ihre Posten. Nur das kann das Ende der Eurofighter sein.

Im Nationalrat geht es dann um etwas zweites: Die Volksbegehren müssen vor der Regierung geschützt werden. Das geht ganz einfach: Alle Volksbegehren, die mehr als 500 000 Unterschriften schaffen, erzwingen automatisch eine Volksabstimmung. Dann wird es endlich ernst.

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Der Standard

Saddam, Haider, Gaugg

SADDAM, HAIDER, GAUGG

1. AKT

In einem großen Zimmer mit Landschaftsgemälden und gestickten Deckerln auf Anrichten steht in der Mitte eine Ledergarnitur. Susi räumt zusammen.

Susi: Früher hätt er es mir schon sagen können. Jetzt ist es wieder eine Hetzerei. (Sie stellt Blumen von der Anrichte auf den Tisch.) Er mag Blumen.

Saddam tritt ein.

Susi: Grüß Gott !

Saddam (trägt einen dicken dunklen Pullover, spricht gutes Deutsch): Wo sind sie ?

Susi: Er muss gleich da sein. Er ist sonst immer pünktlich. Wahrscheinlich ist er aufgehalten worden. Wollen Sie sich hinsetzen ?

Saddam setzt sich auf die linke Seite der Garnitur. Susi rückt noch ein paar Gegenstände hin und her.

Susi: Er kommt gleich. (Sie geht hinaus.)

Saddam wartet und wird langsam unruhig. Einige Zeit vergeht.

Gaugg (enger dunkelgrüner Anzug, rote Krawatte mit Schweinen drauf) tritt ein und sieht sich um.

Gaugg: Ist er schon da ?

Saddam: Guten Tag.

Gaugg eilt auf ihn zu und schüttelt ihm die Hand.

Gaugg: Ich hab schon viel von ihnen gehört. Ich bin der Direktor Gaugg Reinhard. Ich hätte mir nie gedacht, dass sie da so herkommen, ohne Wirbel. Kennen Sie den Palitschek ? (Deutet auf ein Schwein auf der Krawatte) Der da, das ist der Palitschek. (Lacht). Der ist bei mir Direktor. Mit solchen Sachen mach ich sie narrisch.

Gaugg setzt sich neben Saddam. Saddam sieht ihn ratlos an.

Gaugg: Den Palitschek können Sie nicht kennen. Der ist ein Relikt aus den alten Zeiten. Aber die Zeit ist vorbei. Es weht ein neuer Wind. Der Wind sind wir !

Saddam sieht in die andere Richtung.

Gaugg: Ich wette, bei Ihnen hat es auch Palitscheks gegeben.

Saddam sieht ihn ratlos an.

Gaugg: Palitscheks ! Bonzen, die man da einfach hingesetzt hat ! Schwarze und Rote ! Die nur einen Eisenhintern gehabt haben und kein Hirn ! Läuse !

Saddam: Läuse ?

Gaugg: Die man nur wegspritzen kann ! Haben wir einmal gesagt. Dann war wieder der Wirbel da.

Saddam: Das war bei uns anders.

Gaugg: Wie ?

Saddam: Wir haben sie weggespritzt.

Gaugg sieht ihn mit großen Augen an.

Saddam: Weg.

Susi tritt ein.

Gaugg (zu Saddam): Einen Kaffee ? (Zu Susi) Geh bring uns zwei Kaffee. Mir einen mit Schuss. Und was zum Knabbern.

Susi geht hinaus. Saddam und Gaugg sitzen und schauen aneinander vorbei.

Gaugg: Auf den Bildern ist Kärnten. Wir haben viel Wasser, darum ist alles grün. (Stockt) Wahrscheinlich ist er aufgehalten worden.

Saddam steht auf und stellt sich vor ein Bild.

Gaugg: Das ist St. Jakob im Rosental von oben. Man sieht direkt hinunter. (Versucht hochdeutsch). Das größte Kapital von Kärnten ist seine schöne Landschaft. Dieses Kapital erhalten wir und vermehren wir. Es kann nicht genug Landschaft geben.

Saddam: Es ist sehr schön. Was ist das ? Funk ? (Er deutet auf einen Punkt.)

Gaugg (stellt sich neben ihn): Ein Gipfelkreuz. Auf jeden Gipfel stellen wir ein Gipfelkreuz. Es soll sagen, dass wir schon oben waren und der Berg bezwungen ist.

Saddam: Wie kann man einen Berg bezwingen ?

Gaugg: Das sagt man nur so. Es kann dann ja eh wieder eine Lawine geben.

Haider tritt ein.

Gaugg: Da ist er ja !

Saddam und Gaugg stehen auf.

Haider: Grüß euch !

Er schüttelt Saddam die Hand.

Haider: Willkommen im schönen Kärnten ! Und noch einmal Entschuldigung, dass Ihr Gegenbesuch noch nicht so offiziell stattfinden kann, wie wir uns das alle wünschen würden. Aber auch dieser Tag kommt noch ! Wie war die Grenze ?

Saddam: Niemand hat mir gesagt, dass ich ein Bild von meinem Finger machen muss.

Gaugg: Einen Fingerabdruck !

Haider: Das ist halb so wild. Die Polizei kann eh nichts damit anfangen. Die haben ja von ihnen keinen Fingerabdruck in der Kartei und vom bin Laden nicht und von keinem Terroristen.

Saddam (springt auf): Ich bin kein Terrorist !

Haider: Nein, Herr Präsident ! (zu Gaugg) Die Araber sind nämlich besonders stolze Menschen, so wie wir. (zu Saddam) Ihr wollt zum Beispiel auch nicht, dass andere kommen und einfach bleiben und eure Frauen heiraten. Dass zum Beispiel, sagen wir, eine Million Kärntner kommen ! (Haider lacht)

Gaugg: Aber es gibt ja nicht soviel Kärntner !

Saddam: Aber ich will hier niemanden heiraten. Ich bin schon verheiratet.

Gaugg: Was ! Mit wem ?

Saddam: Ich habe meine Deutschlehrerin geheiratet. Sie stammt aus Passau. Sie heißt Trude.

Haider: Eine Deutsche ?

Saddam: Ja.

Gaugg: Toll ! (zu Haider) Ich muss einmal.

Er geht hinaus.

Haider: Er muss immer. Er hat eine Blase, so eine ! (Er deutet mit zwei Fingern die Größe der bemerkenswert kleinen Blase an.) Und dauernd muss er. Bei uns müssen überhaupt alle oft. Am Innsbrucker Parteitag sind alle vor der Abstimmung aufs Klo gegangen. Das war Disziplin.

Gaugg kommt zurück, setzt sich und schaut seine Kaffeetasse fragend an.

Gaugg: Gell, aber jetzt trink ma was !

Haider (zu Saddam): Wollen Sie etwas trinken ? Etwas Ordentliches?

Saddam (lacht): Wir trinken alle Whiskey. Amerikanischen Whiskey. Ich liebe Amerika !

Haider klopft mit einem Feuerzeug auf einen Aschenbecher. Susi tritt ein.

Haider: Für den Präsidenten einen Whiskey. Und für den Reinhard und mich einen Roten. (zu Saddam) Wir trinken die Roten einfach weg. Eine rote Flasche nach der anderen.

Gaugg (zerkugelt sich): Und manchmal spritzen wir die Roten !

Alle lachen. Susi bringt die Getränke auf einem Tablett und beginnt einzuschenken.

Gaugg: Einen Whiskey möchte ich auch ! Zum Toasten !

Alle stehen auf und heben ihre Gläser. Susi bleibt neben der Türe stehen.

Haider: Auf die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern !

Sie trinken und setzen sich. Susi geht hinaus.

Gaugg: Gell, Sie sind Araber.

Saddam sieht ihn fragend an.

Gaugg: Bei uns gibt es ja ein ganz falsches Araber-Bild. „Kameltreiber“ sagen die Leute. Dabei sind Sie ja eine alte Kultur, so wie wir. Die Pyramiden kommen ja nicht von irgendwoher.

Saddam: Es ist bewiesen, dass der Mensch im Zwischenstromland entstanden ist. Zwischen Euphrat und Tigris. Bei uns im Irak.

Haider: Stimmt. Aber dann ist er nach Europa gekommen. Die Germanen hat es schon sehr früh gegeben.

Gaugg: Wir stammen von den Arabern ab ?

Saddam grinst fröhlich.

Gaugg: Und vom Affen hat sich der Mensch zuerst zum Araber entwickelt ? (lacht laut und klatscht sich auf die Schenkel)

Haider (zu Saddam): Entschuldigen Sie. (Leiser zu Gaugg) Halt dich zurück ! (Haider steht auf) Wir trinken auf die Gesundheit ! Ex !

Saddam und Gaugg stehen auf. Alle trinken ex, Haider ein Glas Wein, Gaugg und Saddam Whiskey.

Gaugg: Sie wissen, was „ex“ heißt ?

Saddam: Nein.

Gaugg: Aber Sie haben ex getrunken !

Saddam: Ich trinke immer aus.

Haider (deutet auf Gaugg) : Wissen Sie, unsere Leute kommen von ganz unten. Wenn sie hinaufkommen, haben sie Härte gelernt.

Saddam: Mein Vize war Eisverkäufer.

Haider: Der Gaugg Reinhard war bei der Bank. Damals war er einer unserer ersten, ein alter Kämpfer, gell, Reinhard.

Gaugg strahlt.

Haider: Niemand hat sich umsonst geopfert. Ein Opfer verdient einen Lohn. Je größer das Opfer, desto größer der Lohn. Jeder, der bei uns unten anfängt, kann es zum Direktor bringen. Oder zum Minister. Wir lassen keinen fallen.

Gaugg: Auf das trinken wir !

Alle drei stehen auf und trinken. Susi tritt ein und bringt neue Flaschen.

Fünf Stunden später.

Susi: Ich muss jetzt weg, in den Ministerrat. (Gibt Saddam die Hand.) Auf Wiedersehen, Herr Präsident. (Geht hinaus.)

Haider: Eine furchtbare Doppelbelastung, die sie hat. Aber sie ist sehr tüchtig, das muss man sagen. Gemma.

Gaugg: Bumsti, heut spür ich´s.

Sie stehen auf und gehen.

2. AKT

Auf einer Kärntner Strasse. Eine Gendarmeriestreife hat Reinhard Gaugg aufgehalten. Blaulicht. Die Gendarmen versuchen, den aufgebrachten Gaugg zu beruhigen.

Gaugg: Ich bin der Direktor Gaugg Reinhard ! Ich bin bis jetzt mit Saddam und Haider zusammengesessen !

Ein Gendarm (sieht Gaugg ratlos an): Loss ma´n blosn.

ENDE

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Der Aufmarsch

Vieles, was scheinbar als Verrücktheit beginnt, wird ernst. Haiders Treffen mit niederländischen Rechtsextremisten scheint ebenso verrückt wie seine Nähe zu Saddam Hussein. Mit dem Kärntner Gipfeltreffen beginnt etwas, das wie ein Widerspruch in sich klingt: die Bildung einer nationalistischen Internationale. Das hat zwei schwerwiegende Folgen.

Zum ersten wird nun gemeinsam gegen Europa marschiert. Temelin und Wallonen, Benesch und flämische SS, das passt so gut, dass man es nur zusammenfügen muss. Die Chancen, die europäische Einigung zum Sündenbock für Arbeitslosigkeit, bürokratische Verschwendung und misslungene Integration zu machen, stehen bedenklich gut. Die nächsten EU-Wahlen werden zum ersten Mal zu einer großen europäischen Auseinandersetzung um die Zukunft der EU.

Zweitens werden auch andere Rechtsparteien versuchen, ihre Konservativen ins Schlepptau zu nehmen. Die ÖVP ist angetreten, um die FPÖ stubenrein zu machen. Zwei Jahre nach der Wende hängt die Kanzlerpartei am freiheitlichen Nasenring. Dass das österreichische Beispiel Schule macht, ist das zweite Hauptziel der rechten Internationale.

Die österreichische Wende ha den europäischen Rechtsextremismus ansteckungsfähig gemacht. Ein Land nach dem anderen hat sich infiziert. In einem Drittel der EU-Regierungen sitzen bereits Rechtsextreme. Ein Teil des Damms ist gebrochen.

Was tun ? Am wichtigsten ist eines: Die EU darf die österreichischen Fehler nicht wiederholen. Sie muss Missstände angreifen und soziale Verantwortung ernst nehmen. Die extreme Rechte verliert nur dann, wenn man ihr durch Reformen den Boden entzieht. Wenn man sie in die Regierung holt, kann alles passieren.

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Weitergauggen !

Schön war es in der Wiener Innenstadt mit Karl Öllinger und vielen anderen. Wir haben Spenden für Harald Gaugg gesammelt und dabei viel Erfreuliches erlebt und dazugelernt.

1. In einer Sammelstunde sind 68 Cent zusammengekommen. Das zeigt, dass die Wiener gerecht sind, denn genau das ist Gauggs Arbeit in der PVA wert.

2. Die Kommentare waren eindeutig. „In die Würst mit ihm.“ Damit sollte Kritik an der Absicht der FPÖ, um jeden Preis Teil des Proporzes zu werden, ausgedrückt werden. Es ist ja prachtvoll: Gefräßige Blaue wollen an den Trog, aber die Roten und Schwarzen wollen sie nicht in den Stall lassen.

3. Jetzt wird gedroht: Wenn ihr uns nicht mitfressen lasst, dann verpfeifen wir euch ! Entweder Privilegien für uns alle oder gar keine ! Lasst uns sofort an den Trog, sonst machen wir ihn kaputt ! Man kann zusehen, wie Haider, Westenthaler und Schweitzer das Wasser aus dem Mund läuft.

4. Wo ein Stall, da ist auch Jauche, dicke blaue Jauche. Es stinkt zum Herzerwärmen. Endlich gibt es zum freiheitlichen Tonfall und zum freiheitlichen Outfit auch den freiheitlichen Geruch.

5. Bei der nächsten Wahl wird das Wählen zum Ausmisten. Bis dahin darf Gaugg nicht vergessen sein. Gaugg muss bleiben. Sein Vertrag soll noch fünf, zehn Mal verhandelt werden. Gauggt weiter, dass es nur so schnalzt ! Bravo !

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Stimmvieh auf Urlaub

Seit gestern ist das Parlament in Urlaub. Wer wird den Unterschied merken ?

Die öffentlichen Stellungnahmen gehen weiter. In der ZiB wird man auch im Sommer in drei Prozent aller Parteienbeiträge Grüne sehen – den Freiheitlichen gehören im neuen ORF ja bekanntlich knapp fünfzig Prozent der Zeit. Nur einmal im Monat, wenn die ZiB sonst hintereinander vier Abgeordnete am Rednerpult zeigt, wird etwas anders sein. Vielen wird das nicht abgehen.

Es gibt nicht viel zu berichten aus dem Parlament. Die Debatten im Plenum sind meist fad, die Redner bemerkenswert schlecht. Früher konnte man einen Freiheitlichen blind erkennen. Heute klingt die ÖVP bereits ähnlich.

In den Ausschüssen wird nicht gearbeitet. Wir versuchen immer wieder, einzelne Abgeordnete von meist kleinen, manchmal wichtigen Änderungen zu überzeugen. Oft sind es Vorschläge, die für jeden sichtbar etwas verbessern. Im Ausschuss starren dann alle in die Luft, ein Regierungsabgeordneter stellt lustlos die Vorlage vor, ein, zwei Routinerunden Diskussion, Abstimmung, fertig.

Das Parlament hat einen strukturellen Schaden: das Bewusstsein seiner Abgeordneten. Bis heute kann sich in FPÖ, ÖVP und SPÖ kaum jemand vorstellen, was das Parlament gegenüber jeder Regierung sein könnte. Es geht nicht um ständige Opposition. Es geht um Verbesserungen und ernsthafte Verhandlungen. Es geht um eine eigene Rolle.

Bis heute halten sich gut 150 Abgeordnete für Stimmvieh – und sind daher auch nicht beleidigt, wenn sie so behandelt werden. Jetzt sind sie im verdienten Urlaub. Wahrscheinlich haben sie Vollpension.

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