„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst.Weil es Ostersonntag ist, denke ich über den Menschen nach. Dabei fällt mir Willi Molterer ein. Warum ist aus einem netten, intelligenten Minister der derzeit wütende Klubobmann geworden? Molterer war einer der ersten, die in der ÖVP auf eine
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„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst.
Weil es Ostersonntag ist, denke ich über den Menschen nach. Dabei fällt mir Willi Molterer ein. Warum ist aus einem netten, intelligenten Minister der derzeit wütende Klubobmann geworden? Molterer war einer der ersten, die in der ÖVP auf eine ökosoziale Wende setzten. Das war kein Schwindel, sondern ein ernsthaftes politisches Vorhaben. Am Ende der Koalitionsverhandlungen, die wir mit der ÖVP geführt haben, hatte ich gerade bei ihm den Eindruck, dass ihn das Scheitern persönlich traf.
An Molterer erkennt man gut, was passiert, wenn jemand versucht, seine Funktion gegen all seine inneren Überzeugungen besonders gut zu erfüllen. Er wird ein 150prozentiger, der als Konvertit alle von seiner Verlässlichkeit zu überzeugen versucht. Wenn eine Partei daran geht, Abweichler auf Linie zu bringen, dann bedient sie sich vor allem der Konvertiten.
Niemand hätte noch vor drei Jahren geglaubt, dass gerade Wilhelm Molterer einmal für das Schlechteste und Charakterloseste im österreichischen Nationalrat stehen würde. Wer erlebt hat, wie er jeden Missbrauch der Geschäftsordnung in einer Orgie der Scheinheiligkeit rechtfertigt, wer mit angesehen hat, wie Kommissar Mück auf alles, was am ORF Qualität und Charakter ist, gehetzt wird, wer in jedem Satz den Hass auf jeden Widerstand spürt, der kommt auch auf den Gedanken, dass da jede Menge Selbsthass mitglüht. Egal, ob sich da ein Redakteur des ORF oder jemand aus der Nähe seiner Partei aufrecht hält - dem gebückten Molterer ist der aufrechte Gang selbst unerträglich.
Das ist eines der weniger bekannten Ergebnisse der großen Wende des Wolfgang Schüssel: dass seiner Partei der Charakter nachhaltig ausgetrieben worden ist. Nach wie vor gibt es in der ÖVP etliche nette Kollegen. Aber eigenwillige Köpfe wie Heinrich Neisser oder Michael Graff, die sind Parteigeschichte. Molterer, Khol, Schüssel, und dazu noch Gehrer und Grasser – mehr ist nicht mehr da.
Der amerikanische Journalist Seymour Hersh war in Teheran und auch in Wien. Er hat untersucht, wie die USA ihren nächsten Krieg vorbereiten: gegen den Wiedergänger in Teheran, gegen den Iran. Der New Yorker hat seinen ersten Bericht gebracht.
Antwort auf Beitrag vom: 16.04.2006






