„Wir sind keine Monster! Amstetten ist ein Einzelfall!“ Das ist die Maibotschaft von Alfred Gusenbauer. Mehr fällt ihm nicht ein.„Kampusch“ und „Amstetten“ sind Extreme und nur dadurch Einzelfälle. Aber sie deuten auf das Normalere hin: auf Familien und Nachbarn, bei denen die Scham größer ist als das Gefühl für Schutz und Recht; auf Behörden, die
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„Wir sind keine Monster! Amstetten ist ein Einzelfall!“ Das ist die Maibotschaft von Alfred Gusenbauer. Mehr fällt ihm nicht ein.
„Kampusch“ und „Amstetten“ sind Extreme und nur dadurch Einzelfälle. Aber sie deuten auf das Normalere hin: auf Familien und Nachbarn, bei denen die Scham größer ist als das Gefühl für Schutz und Recht; auf Behörden, die Hinweise und Spuren übersehen; und auf eine Politik, die mit der „Einzelfall“-Rechtfertigung grundlegende Änderungen schwerer macht.
„Kampusch“ und „Amstetten“ sind auch anderswo möglich. Österreich ist weder das Land der hohen Berge und tiefen Keller noch eine selige Insel. Österreich ist, auch was Gewalt in der Familie betrifft, ganz normal. Das ist schlimm genug.
Das einzig Österreichische in den letzten Tagen war der seltsame nationale Stolz. „So viele Kamerateams“ – „Aufmacher in CNN!“ – Vom ORF bis zu den Zeitungen zählten alle mit, wie das Land auf der globalen Aufmerksamkeitsskala nach oben geschossen ist. In diesen Tagen verwechselt uns niemand mit Australien.
Aber warum kippt jenseits der Grenzen das Österreich-Bild so leicht? Wahrscheinlich hat das viel damit zu tun, dass man Länder wie Deutschland und Großbritannien auf der Landkarte, Österreich aber auf der Ansichtskarte findet. Jahrzehntelang ist in ein Klischee von weißen Pferden und singenden Knaben, Bergen, Seen und Trachten investiert worden. Jedes Klischee hat eine Rückseite. Auf ihr prägen dann Kampusch und der Amstettner Keller, aber auch Waldheim und Haider das Bild. Was auf der einen Seite nur hübsch ist, wirkt auf der anderen Seite allzu leicht nur hässlich.
Das hübsche Bild ist selbst gemalt. Damit fällt das weniger hübsche auch in die eigene Verantwortung.
Antwort auf Beitrag vom: 01.05.2008






