Tagebuch / Februar 2012

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Den Volksbanken steht das Wasser bis zum Hals, wobei „Wasser“ hier noch der gelindeste Ausdruck ist. Daher greifen sie zu einem Mittel, dass andere Institute wie die Erste Bank strikt ablehnen: die Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten.Der erste Fall, den wir dokumentieren, ist der des Wiener Unternehmers Alexander W. Er hat vor Jahren zwei Franken-Kredite über die Volksbank Wien
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Den Volksbanken steht das Wasser bis zum Hals, wobei „Wasser“ hier noch der gelindeste Ausdruck ist. Daher greifen sie zu einem Mittel, dass andere Institute wie die Erste Bank strikt ablehnen: die Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten.

Der erste Fall, den wir dokumentieren, ist der des Wiener Unternehmers Alexander W. Er hat vor Jahren zwei Franken-Kredite über die Volksbank Wien aufgenommen. Die Wahl der Bank war wohl der schwerste Fehler seiner beruflichen Laufbahn.

Hier aus der Sicht von Alexander W. die Chronologie einer Bank, die längst außer Rand und Band geraten ist:

24.10.2008

Um 15.00 Uhr meldet sich ein Volksbankvertreter bei Alexander W. Aufgrund der Entwicklung des Kursverhältnisses zwischen Euro und Franken möchte die Volksbank seine Kredite konvertieren. Auf W.´s Einwand, dass dieser plötzliche Kursrutsch eine Folge der Aktienkrise sei, und sich der Kurs wieder kurzfristig verbessern werde und auf seinen Vorschlag, ein (vertraglich vereinbartes) Devisensicherungsgeschäft abzuschließen, gibt es ein NEIN. Beide Seiten vereinbaren eine „Nachdenkpause“ bis Montag Mittag.

27.10.2008

Montag. Die Volksbank teilt mit, dass um 8:30 Uhr zwei Kredite in Euro konvertiert wurden, ein weiteres Darlehen sei bereits am Freitag konvertiert worden. Die Zwangskonvertierung ist hinter dem Rücken des Kreditnehmers vollzogen worden. W. hält fest, dass er dieser Vorgehensweise nicht zustimmt.

28.10.2008

Der Filialleiter ruft an. W. notiert sich: „Der Aufsichtsrat wolle wissen, ob es sich um eine freiwillige oder eine Zwangskonvertierung handle“.

Am Nachmittag folgt ein weiteres Telefonat. W. spricht die Bank zum ersten Mal auf den finanziellen Schaden aus den Vorlagezinsen und dem beginnendem Kursverlust des Euro gegenüber dem Franken an.

7.11.2008

W. richtet ein Schreiben an die Volksbank, in dem er feststellt, dass die Konvertierung vertragswidrig ohne Zustimmung erfolgte. Er bittet um ein Gespräch.

Im Gegenzug droht die Bank, alle Kredite fällig zu stellen. Zum ersten Mal erfährt W., dass die Bank bereit ist, ihn zu ruinieren.

14.11.2008

Das Gespräch mit der Bank findet endlich statt. Aber die Bank bleibt stur. W. soll die Zwangskonvertierung akzeptieren. Die Bank ist im Unrecht, will aber um jeden Preis Recht behalten. Sie lehnt die Rückkonvertierung ab.

24.11.2008

Die Volksbank geht einen Schritt weiter. Sie verlangt von W., die Konvertierung rückwirkend zu unterschreiben. Für den Fall der Weigerung droht sie mit „ernsten Konsequenzen“ .
Hinweis des Kreditnehmers auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich aus der Zwangskonvertierung ergeben, insbesondere darauf, dass Mitarbeiter gekündigt werden müssen

1.12.2008

W. versucht, den zuständigen Vorstandsdirektor Layr zu erreichen. Ein Rückruf wird zugesagt, erfolgt aber nicht.

3.12.2008

Am Tag der Vorstandssitzung meldet sich der Filialleiter. Er verlangt ein weiteres Mal die Zustimmung zur Konvertierung. W. notiert: „... ohne Zustimmung wird es unmöglich weiterzuarbeiten. Man müsste die Rechtsabteilung mit dem Fall befassen, was sicher unangenehm wird....“

10.12.2008

Der Filialleiter informiert W., dass er ihm voraussichtlich am 12.12. über Vorschläge des Vorstands berichten kann.

11.12.2008

Die Kreditabteilung meldet sich bei W.´s Anwalt und kündigt neue Verträge, die am 15.12.08 unterschrieben werden sollten, an.

12.12.2008

W. kontaktiert den Filialleiter wegen eines Gesprächstermins. Er wird vertröstet, da „die neuen Verträge noch nicht fertig seien“.

An diesem Punkt hat mich Herr W. kontaktiert. Am selben Tag versuchte ich, mit Vorstandsdirektor den Fall zu klären. Das Telefonat verläuft seltsam. Layr behauptet, es habe keine Zwangskonvertierung gegeben. Der Kunde habe schriftlich zugestimmt. Ich gebe mich zufrieden und ersuche ihn, nur der Form halber, mir eine Kopie der Zustimmung mit Unterschrift von Herrn W. zukommen zu lassen. Ich setze ihm eine Frist bis Montag 09.00 Uhr.

Kurz darauf stellt die Bank W. ein Ultimatum. Er wird aufgefordert, die Zustimmungserklärung im Nachhinein zu unterschreiben und nicht mit dem Parlament zu kooperieren. Die Bank droht ganz offen: Wenn sich W. nicht fügt, werden die Kredite fällig gestellt.

Gestern habe ich gemeinsam mit W. darüber die Medien informiert. Seitdem stapeln sich auf meinem Schreibtisch die Klagen gegen die Volksbanken. Jetzt wird ein System sichtbar. Der Verdacht wird immer konkreter: Die Volksbanken nützen systematisch die Notlage ihre Kunden aus.

Die Volksbanken sind die Banken, die nicht für das Volk da sind. Das ist mein erster Eindruck aus dem Teil des Bankensektors, der sich besonders problematisch entwickelt. Wir sind dabei, den Finanzpyramidenspielern das Handwerk zu legen. In den nächsten Tagen werden wir uns vor allem dem Handwerk der Volksbanken widmen. Nach ersten Gesprächen mit anderen Parteien weiß ich, dass wir auch hier nicht allein sind.

VerordnungOesterreich.pdf


Antwort auf Beitrag vom: 16.12.2008


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