Lieber Alfons Haider!
Sie haben unrecht: Österreich ist kein verschissenes Land. Wenn einem aus den besten Gründen der Kragen platzt und alles einmal raus muss, hilft nur eines: Genauigkeit. Wenn wir versuchen, bei diesem Bild unserer Heimat genau zu sein, müsste es wohl heißen: Österreich ist ein angeschissenes Land.
Und das stimmt. Egal, wo man hinsieht, es ist immer
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Lieber Alfons Haider!
Sie haben unrecht: Österreich ist kein verschissenes Land. Wenn einem aus den besten Gründen der Kragen platzt und alles einmal raus muss, hilft nur eines: Genauigkeit. Wenn wir versuchen, bei diesem Bild unserer Heimat genau zu sein, müsste es wohl heißen: Österreich ist ein angeschissenes Land.
Und das stimmt. Egal, wo man hinsieht, es ist immer dasselbe: Eine politische Kaste verteilt Posten, Pfründe und öffentliches Eigentum:
• Jörg Haider und die Seinigen plündern die Hypo und die Landesfinanzen;
• Josef Pröll saniert die Banker-Spekulanten und vergisst die Opfer von AWD, Volksbanken und Konsorten;
• Faymann kauft mit Millionen-Inseraten den käuflichen Teil der öffentlichen Meinung;
• Scheuch verteilt die Reste des Kärntner Landesvermögens auf der Landhausstiege;
• Hahn geht als V-Mann des organisierten Glücksspiels von Wien nach Brüssel;
• Grasser ist fast überall dabei;
• Und wenn einmal parlamentarisch untersucht wird, lassen Pröll und Faymann den Nationalrat einfach abwürgen.
Schon nach einem langen Faymann-Pröll-Jahr ist es vollbracht: Österreich ist eine Bananenrepublik der Farbenblinden, die sich einreden lassen, dass braun entweder blau oder orange, aber niemals braun ist. Jörg Haider, Josef Pröll, Strache, Faymann, Scheuch, Niessl, Dörfler, Fekter und Grasser sind dabei, der Politik den letzten Wert zu nehmen. Wenn aus mittlerer Distanz rot, schwarz, blau und orange nur noch als eine einzige große Jauchengrube wahrgenommen werden und die Fäkalsprache nicht nur von den sogenannten kleinen Leuten als der einzige zur entsprechenden Beschreibung taugliche Wortschatz gehalten wird, drückt Alfons Haider das aus, was sich viele denken: dass der Gestank der Altpolitik alle, deren Nase nicht mit Geld und deren Hirn nicht mit Dreck verstopft ist, vertreibt.
Wolf Biermann hat das passende Gedicht an die Prölls und Scheuchs geschrieben:
Was hast du im Schädel
Dreck oder Stroh
Sag - bist du so dumm
Oder tust du nur so?
Österreich ist heute das Kärnten Europas. Soweit ist es unter Pröll und Scheuch, Niessl und Dörfler, Faymann und Strache gekommen. Solange sich die Mehrheit den Menschen weiter auf den Kopf machen lässt und glaubt, nur die Färbung der Exkremente mitbestimmen zu können, wird sich nichts ändern.
So gesehen haben Sie, Herr Haider, wenigstens eines getan: darüber offen gesprochen. Und eines gilt dabei sicher: lieber einmal „geschissen" sagen als immer den Mund halten.
Daher herzlichen Dank,
Peter Pilz
Kärnten. Dort im Süden, wo die Berge und die Seen besonders schön sind, hat eine Minderheitenfeststellung stattgefunden. Der Versicherungsexperte Uwe Scheuch wird ab heute eine Partei anführen, die als negative Auslese des Landes um das Vertrauen bitten wird. Scheuch-Strache, das ist jetzt eine Klarstellung, nach der niemand mehr sagen kann, er weiß nicht, worauf er sich eingelassen hat.
Nach Hypo und all den anderen Affären liegt es jetzt an der ÖVP. Kann sie die Koalition mit der Hypo-Partei kündigen oder hängt sie selbst zu tief drinnen? Aus Wien drängen Parteispitzen, den orange-schwarzen Pakt zu kündigen. Aber auch sie wissen wahrscheinlich nicht genau, wie tief ihre Kärntner Parteifreunde im Hypo-Sumpf stecken.
Die einzigen, die seit heute ihre Zukunft kennen, sind die Führer des Teils der FPÖ, der sich noch immer BZÖ nennt. Es ist vorbei. Der zweite Versuch einer FPÖ-Gruppe, sich aus Überlebensgründen ins liberale Eck zu retten, wird mangels herzeigbaren Personals scheitern.
Antwort auf Beitrag vom: 16.01.2010






