Tagebuch / Mai 2012

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Im neuen Jahr ist alles beim Alten. Angehörige der Flutopfer rufen im Außenministerium an. Sie erreichen – Grundwehrdiener. Langsam reicht es. Tage, nachdem bekannt ist, dass es hier um schwer traumatisierte Menschen geht, die sich in ihrer Not ans Außenamt wenden und dort professionelle Hilfe erwarten, treffen auf – Grundwehrdiener. Das ist beiden nicht zuzumuten – den Opfern und den
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Im neuen Jahr ist alles beim Alten. Angehörige der Flutopfer rufen im Außenministerium an. Sie erreichen – Grundwehrdiener. Langsam reicht es. Tage, nachdem bekannt ist, dass es hier um schwer traumatisierte Menschen geht, die sich in ihrer Not ans Außenamt wenden und dort professionelle Hilfe erwarten, treffen auf – Grundwehrdiener. Das ist beiden nicht zuzumuten – den Opfern und den Präsenzdienern selbst.

Die Grundwehrdiener sind die Notnägel, die man überall einschlägt. Lawine – Grundwehrdiener. Illegale Einwanderung – Grundwehrdiener. Zuwenig Wachpersonal in den Gefängnissen – Grundwehrdiener. Und jetzt: Hunderte Vermisste – Grundwehrdiener. Am 29. Dezember hat der Kanzler selbst bei einem Ausschuss des Ministerrats den Einsatz der Grundwehrdiener befohlen.

Die 18 jährigen Burschen sind nicht schuld, wenn sie professionelle Berater auch am Telefon nicht ersetzen können. Die Ministerin und der Kanzler, die sie dorthin setzen, schon.

Die zwanzig Grundwehrdiener der Garde sitzen jetzt im Außenamt an den Telefonen. An Stelle einer Ausbildung in Gesprächsführung haben sie eine kurze „Einweisung“ erhalten. Seit heute Früh wollen immer mehr Anrufer von ihnen „Steuertipps“. Die Bundesregierung hat gestern in allen Tageszeitungen ganzseitige Inserate schalten lassen. „Weniger Steuern. Mehr fürs Leben.“ Darunter steht „Eine Information der Bundesregierung“ und gleich daneben: 0800 222 666. Die Flutwellen-Hotline ist unter derselben Nummer eingerichtet.

Jetzt soll eine „Nebenstelle“ installiert werden. Wie stellt sich Wolfgang Schüssel das vor ? „Hier ist das Österreich-Telefon. Wenn sie Angehörige vermissen, drücken Sie die 1. Wenn Sie Steuern sparen wollen, drücken Sie die 2.“ Das ist absurd und unzumutbar. Schüssel nennt das „Krisenmanagement“. Der Begriff "Ignoranz" ist wohl eher angebracht.


Antwort auf Beitrag vom: 03.01.2005


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