Tagebuch / Februar 2012

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SONNTAG, 16. APRIL 2006

„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst.Weil es Ostersonntag ist, denke ich über den Menschen nach. Dabei fällt mir Willi Molterer ein. Warum ist aus einem netten, intelligenten Minister der derzeit wütende Klubobmann geworden? Molterer war einer der ersten, die in der ÖVP auf eine
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„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst.

Weil es Ostersonntag ist, denke ich über den Menschen nach. Dabei fällt mir Willi Molterer ein. Warum ist aus einem netten, intelligenten Minister der derzeit wütende Klubobmann geworden? Molterer war einer der ersten, die in der ÖVP auf eine ökosoziale Wende setzten. Das war kein Schwindel, sondern ein ernsthaftes politisches Vorhaben. Am Ende der Koalitionsverhandlungen, die wir mit der ÖVP geführt haben, hatte ich gerade bei ihm den Eindruck, dass ihn das Scheitern persönlich traf.

An Molterer erkennt man gut, was passiert, wenn jemand versucht, seine Funktion gegen all seine inneren Überzeugungen besonders gut zu erfüllen. Er wird ein 150prozentiger, der als Konvertit alle von seiner Verlässlichkeit zu überzeugen versucht. Wenn eine Partei daran geht, Abweichler auf Linie zu bringen, dann bedient sie sich vor allem der Konvertiten.

Niemand hätte noch vor drei Jahren geglaubt, dass gerade Wilhelm Molterer einmal für das Schlechteste und Charakterloseste im österreichischen Nationalrat stehen würde. Wer erlebt hat, wie er jeden Missbrauch der Geschäftsordnung in einer Orgie der Scheinheiligkeit rechtfertigt, wer mit angesehen hat, wie Kommissar Mück auf alles, was am ORF Qualität und Charakter ist, gehetzt wird, wer in jedem Satz den Hass auf jeden Widerstand spürt, der kommt auch auf den Gedanken, dass da jede Menge Selbsthass mitglüht. Egal, ob sich da ein Redakteur des ORF oder jemand aus der Nähe seiner Partei aufrecht hält - dem gebückten Molterer ist der aufrechte Gang selbst unerträglich.

Das ist eines der weniger bekannten Ergebnisse der großen Wende des Wolfgang Schüssel: dass seiner Partei der Charakter nachhaltig ausgetrieben worden ist. Nach wie vor gibt es in der ÖVP etliche nette Kollegen. Aber eigenwillige Köpfe wie Heinrich Neisser oder Michael Graff, die sind Parteigeschichte. Molterer, Khol, Schüssel, und dazu noch Gehrer und Grasser – mehr ist nicht mehr da.

Der amerikanische Journalist Seymour Hersh war in Teheran und auch in Wien. Er hat untersucht, wie die USA ihren nächsten Krieg vorbereiten: gegen den Wiedergänger in Teheran, gegen den Iran. Der New Yorker hat seinen ersten Bericht gebracht.

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Antwort von: Andrea
verfasst am: 19.04.2006 13:56:27

Dass Molterer einmal ein netter und intelligenter Mensch war, kann ich mir gar nicht vorstellen! Mir fiel er erst auf, seit schwarz-blau regiert und da kenne ich ihn nur als Bosnigl (schreibt man das
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Dass Molterer einmal ein netter und intelligenter Mensch war, kann ich mir gar nicht vorstellen! Mir fiel er erst auf, seit schwarz-blau regiert und da kenne ich ihn nur als Bosnigl (schreibt man das so?).

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Antwort von: thaddäus
verfasst am: 17.04.2006 19:00:47

der "normale" staatsbürger analysiert nicht lang und breit. "der/die, das gefällt mir" bzw. "... gefällt mir nicht", sagt er und wählt. ob richtig
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der "normale" staatsbürger analysiert nicht lang und breit.

"der/die, das gefällt mir" bzw. "... gefällt mir nicht", sagt er und wählt. ob richtig oder falsch - er hat´s bisher immer noch zu spüren bekommen.

ich, ein (noch) normaler staatsbürger, der in einem altenpflegeheim miterlebt hat, auf welche art und weise (nämlich auf eine ganz grausliche) die parteien dort auf stimmenfang gehen, habe vor vier jahren fürs leben ausgewählt. - demokratie hin oder her.

für die unzurechnungsfähigen unter den pfleglingen wird gewählt, d. h. diese lassen wählen, müssen wählen lassen. - "aufmüpfige" alte, sprich: kritiker an der "indiskreten" vorgangsweise an sich, werden von der wahl"kommission" (bestehend aus in der überzahl dümmlich wirkenden menschen) verlacht . . .

erzähl´ ich hier was neues?

"jede stimme zählt." - eh klar. mfg

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Antwort von: Zitowsky 3.1415
verfasst am: 17.04.2006 12:15:31

Molterer ein Konvertit? Und ich dachte immer, er gehört einem Menschschlag an, der in diesen Breiten oft zu finden ist: "charmant, aber niederträchtig, verlogen und
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Molterer ein Konvertit? Und ich dachte immer, er gehört einem Menschschlag an, der in diesen Breiten oft zu finden ist: "charmant, aber niederträchtig, verlogen und hinterhälltig" - ein typischer österreichischer Staatsbürger eben.

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Antwort von: ein sympathisant
verfasst am: 16.04.2006 22:25:10

lieber peter,bezüglich ORF hat man aber bei den grünen auch nicht wirklich ein gutes gefühl - so anständig pius strobl euch vertritt. was unter einer rot-grünen regierung mit
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lieber peter,

bezüglich ORF hat man aber bei den grünen auch nicht wirklich ein gutes gefühl - so anständig pius strobl euch vertritt. was unter einer rot-grünen regierung mit seriösen redakteuren wie wehrschütz, die den neuen mächtigen nicht zu gesicht stehen, passieren würde, bliebe abzuwarten... den roten ist diesbezüglich nicht zu trauen, wie es sich mit euch verhält, werden wir aufmerksam beobachten.

eigenwilliger kopf ist vielleicht eine untertreibung für graff, würde ich mal sagen. "Wenn man Waldheim nicht. nachweisen kann, dass er sechs Juden. eigenhändig erwürgt hat, ist er jedenfalls unschuldig" ist aus meiner sicht nicht mehr eigenwillig, sondern war schwer über der grenze. aber so viel anstand hatte er dann doch, dass er zurückgetreten ist.

molterer: handlanger, der aber selbst im populismus nicht so witzig und tief werden kann wie chap.

herzliche grüße, ein sympathisant

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Antwort von: hermann@deranwalt.at
verfasst am: 16.04.2006 20:26:28

Zitat : "„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst." Sie sind auch nicht
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Zitat :

"„Urbi et orbi“ rufe auch ich hier von der Alm den Menschen zu. Aber keiner hört mich und der ORF überträgt wieder nur den Papst."

Sie sind auch nicht Jörg Haider (der ja bekanntlich nicht nur einmal pro Jahr wiedergeboren wird, wenngleich jeweils ohne feststellbare Evolution ...).

Im übrigen volle Zustimmung zu Ihrer Charakteranalyse von Herrn Molterer; hatte früher auch einmal einen recht seriösen Eindruck von ihm, der nun aber schon seit geraumer Zeit wie weggewischt ist - das Rehauge ist zum Schlangenfeixen mutiert und abgesondert wird nur mehr noch lähmendes Gift, niederträchtig und aber so glasklar wie durchschaubar. Aber mit lauter Schlangen unter Seinesgleichen kann man wohl auch nur so (politisch) überleben. Schade, daß es nur mehr noch darum zu gehen scheint.

Dazu, was dabei herauskommt, siehe schon Genesis 3,14 f.

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