MONTAG, 08. MAI 2006
Nach dem großen Sozifressen waren die Wölfe im Kreideladen. Wolfgang Schüssel berichtet heute dem Parlament. Der Arme hat sich wochenlang nichts als Sorgen gemacht. Jetzt sind die Sozialpartner wieder beisammen: Schüssel und die Wirtschaft am Tisch, der ÖGB daneben am Boden.Molterer setzt die Heuchelei fort. Jetzt müsse der ÖGB unabhängig werden. Fritz Neugebauer, der schwarze Chef der
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Nach dem großen Sozifressen waren die Wölfe im Kreideladen. Wolfgang Schüssel berichtet heute dem Parlament. Der Arme hat sich wochenlang nichts als Sorgen gemacht. Jetzt sind die Sozialpartner wieder beisammen: Schüssel und die Wirtschaft am Tisch, der ÖGB daneben am Boden.
Molterer setzt die Heuchelei fort. Jetzt müsse der ÖGB unabhängig werden. Fritz Neugebauer, der schwarze Chef der Beamtengewerkschaft, klatscht. Und aufgeklärt müsse jetzt werden, aufgeklärt, schonungslos.
Die schwarze Schmiere soll über vieles hinwegtäuschen:
+ dass die Finanzmarktaufsicht vollkommen versagt und der Finanzminister in einem entscheidenden Punkt die Unwahrheit gesagt hat;
+ dass bei der Hypo in Kärnten ganz andere Maßstäbe angelegt werden;
+ und dass die BAWAG jetzt mit ihren Nationalbankanteilen kalt enteignet wird. Die anderen dürfen ihre behalten.
Was ist jetzt in den letzten Tagen passiert? Der ÖGB hat kapituliert und unterschrieben, dass er als „Zahler und Bürge“, also unbeschränkt und bis zum Konkurs haftet. Die Sozis wollten unterschreiben. Damit hätte Schüssel eine Schlinge in der Hand gehabt, mit der er den ÖGB abwürgen hätte können. Die SPÖ war bereit, unter den Konkurs des ÖGB „Alfred Gusenbauer“ zu schreiben.
Hätte Alexander Van der Bellen nicht am Freitag genau das zum Thema gemacht, wäre nichts mehr nachverhandelt worden. Wir haben als einzige protestiert und öffentlich die Notbremse gezogen. Dann ist nachverhandelt worden. Mehr war bis heute nicht drin. Aber die SPÖ sollte sich genau überlegen, warum jetzt schon wir statt den Sozis die Existenz der Gewerkschaft gegen die schwarze Konkursschlinge verteidigen.
Dann Gusenbauer selbt. Er macht zumindest einen Punkt: Die Regierungsparteien sollen doch einem Untersuchungsausschuss zustimmen. Die „schonungslose Aufklärung“ der ÖVP kommt sofort an ihre Grenze, wenn es um die politische Verantwortung geht.
Alexander Van der Bellen macht auf das Notwendigste aufmerksam: was passiert wäre, wenn Schüssel und Grasser so weiter gemacht hätten; warum es noch immer keine funktionierende Finanzmarktaufsicht gibt; aber auch warum die SPÖ einfach nicht vom ÖGB lassen kann.
Wir stimmen heute dem Gesetz zu, weil die Alternative inakzeptabel ist. Aber das ist schon alles. Von morgen weg geht es weiter gegen rote Inkompetenz und Ignoranz und schwarzen Machtvollrausch.
Das Erfreuliche zum Schluss: „Gerade jetzt bereite ich einen Brief an ein Ministerium vor, weil ich mich davon überzeugt habe, dass ein ganzer Komplex von parlamentarischen Anfragen nicht zufrieden stellend beantwortet worden ist.“ Andreas Khol hat mit unserer Kritik keine Freude gehabt. Molterer hat in einer Präsidiale dazu brav getobt. Jetzt lenkt Khol ein. Die Kontrolle des Nationalrats darf wieder mit einer gewissen Unterstützung durch den Präsidenten rechnen. Das ist gut. Die Nagelprobe bleibt aber der Eurofighter-Vertrag.
Antwort von: Altruist
verfasst am: 09.05.2006 19:31:54
Mindestens 2 Bomben wird die ÖVP vor der Wahl noch zünden: 1. Gusenbauer hat die SPÖ hoch verschuldet übernommen. Jetzt steht sie auf soliden wirtschaftlichen Beinen. Würde
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Mindestens 2 Bomben wird die ÖVP vor der Wahl noch zünden:
1. Gusenbauer hat die SPÖ hoch verschuldet übernommen. Jetzt steht sie auf soliden wirtschaftlichen Beinen. Würde mich wundern, wenn die ÖVP nicht irgendeinen Geldkoffer-Skandal oder ähnliches vor der Wahl aus dem Ärmel zieht.
2. Fast unvorstellbar, dass sich die ÖVP für die Arbeiterkammer noch nichts ausgedacht hat - was kommt da noch?
Antwort von: Anonym
verfasst am: 10.05.2006 08:55:45
1. Wären sie sehr dumm, da die Zahlungen rund um den Abfangjägerkauf von der Industriellenvereinigung schon ziemlich nach einem ähnlichen - weit größeren - Skandal klingen.
Antwort von: elizabeth
verfasst am: 09.05.2006 12:36:50
hätte ich unter ständiger aufsicht, sprich: in unfreiheit, leben wollen, der gesamte ostblock wäre mir offengestanden.gestern wie heute, dort wie da: kontrolliert werden am liebsten
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hätte ich unter ständiger aufsicht, sprich: in unfreiheit, leben wollen, der gesamte ostblock wäre mir offengestanden.
gestern wie heute, dort wie da: kontrolliert werden am liebsten die falschen.
ich würde gern von nicht mehr als vom wetter abhängig sein. aber hier bei uns . . .?
Antwort von: Anonym
verfasst am: 09.05.2006 06:44:14
Parlamentarismus in Österreich gleicht einer Schmierenkomödie. Die wirklichen Entscheidungen werden im Hindergrund von Lobbyisten und Korruptionisten getroffen.
Antwort von: Anonym
verfasst am: 09.05.2006 00:34:03
". . . restlose aufklärung . . ." weil halt alle sachen "ernstgenommen" werden.ja, bitte, was denn sonst?!es wird einfach zuviel geredet, dennoch das kind nicht beim namen
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". . . restlose aufklärung . . ." weil halt alle sachen "ernstgenommen" werden.
ja, bitte, was denn sonst?!
es wird einfach zuviel geredet, dennoch das kind nicht beim namen genannt, nicht von den volksvertretern. der staatsbürger spricht zwar eine deutliche sprache, bleibt aber anonym. - unverständlich in einer demokratie. wir leben doch (noch) in einer demokratie!?
das eine ist noch nicht vom tisch, soll "was" im zusammenhang mit dem eurofighter-vertrag aufgedeckt werden. es geht eh schon zu wie in einem ringelspiel . . .
immer nur aufdecken! könnt´s nicht schon d a v o r was spielen, um sich die aufdeckerei ersparen zu können? anscheinend aber nicht. decken sie also, bitte, weiter auf! aber gut so.
Antwort von: vinzenz
verfasst am: 08.05.2006 18:54:29
jeder so, wie man ihn sein läßt. auch eine art von freiheit.
Antwort von: stefan
verfasst am: 08.05.2006 15:02:16
wobei diese skrupellose machtpolitik nicht möglich wäre ohne skurpelloses vorgehen von ögb und bawag...
Antwort von: Anonym
verfasst am: 09.05.2006 08:42:36
...wobei der ÖGB nicht zur Wahl steht...
Antwort von: gurkenhals
verfasst am: 09.05.2006 10:18:47
mit hundstorfer und katzian im nationalrat schon.
Antwort von: Anonym
verfasst am: 10.05.2006 08:56:30
Der ÖGB steht nicht zu Wahl. Punkt. Auch wenn zuviele ÖGB Mitglieder auf roten Listen im Nationalrat stehen.
Antwort von: Thomas
verfasst am: 08.05.2006 11:42:47
Jetzt mal meine Meinung: Ob der ÖGB in Konkurs geschickt wird, oder ob er wie zur Zeit gedemütigt und entmachtet (Offenlegung des Streikfonds, finanzielle Verantwortung für die Bawag
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Jetzt mal meine Meinung: Ob der ÖGB in Konkurs geschickt wird, oder ob er wie zur Zeit gedemütigt und entmachtet (Offenlegung des Streikfonds, finanzielle Verantwortung für die Bawag bis knapp von den Konkurs) wird ziemlich wurscht sein. Nur dass ersteres den Vorteil gehabt hätte, dass man den ÖGB neugründen kann - und schlimmer kann mit dieser nicht werden nicht werden. Die Geschäfte bei der Bawag haben eine starke Arbeitnehmervertretung gekillt - in beiden Fällen.
Dass jetzt das Gesetz auf "nur bis knapp vor den Konkurs" lautet ist meiner Meinung nach NUR für die schwarzen positiv. Es schwächt den ÖGB soweit, dass sie "Streik" als letztes Mittel nicht mehr einsetzen können, und bietet der Regierung die Möglichkeit zu sagen: "Wir haben die Bawag UND den ÖGB gerettet". Auch wenn realpolitisch der ÖGB damit tot ist.
Ganz ehrlich: Ganz Österreich, alle Politiker, der ÖGB, etc bekommen im Moment eine Lektion in Sachen (skrupelloser) Machtpolitik vor der Wahl vom Herrn Schüssel. Die VP hat inzwischen alle einflussreichen Gruppierungen entweder in der eigenen Hand (ORF) oder vollkommen entmachtet (FPÖ in 6 Jahren, den ÖGB jetzt in wenigen Wochen), und stehen im Walhkampf als Retter der Wirtschaft, der Sozialpartnerschaft, und in Wirklichkeit der Demokratie da.






