Tagebuch / Mai 2012

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DIENSTAG, 04. SEPTEMBER 2001

Manchmal machen Pressekonferenzen Spaß. Heute präsentiere ich das erste Opfer der Volkszählung: meinen Klubkollegen Dieter Brosz. Die Geschichte ist hinreissend absurd. Am Beginn der Zählung habe ich mir eine Anregung erlaubt: Die Österreicherinnen und Österreicher sollten die Fragen nach Haushaltsvorstand und Religion einfach ignorieren. Zu meiner Freude sind mir auch einige prominente
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Manchmal machen Pressekonferenzen Spaß. Heute präsentiere ich das erste Opfer der Volkszählung: meinen Klubkollegen Dieter Brosz. Die Geschichte ist hinreissend absurd.

Am Beginn der Zählung habe ich mir eine Anregung erlaubt: Die Österreicherinnen und Österreicher sollten die Fragen nach Haushaltsvorstand und Religion einfach ignorieren. Zu meiner Freude sind mir auch einige prominente Kollegen gefolgt. Rudolf Edlinger stellte in "profil" klar: "Bei uns gibt es keinen Haushaltsvorstand. Also kann ich auch nicht ankreuzen, was es nicht gibt" Bürgermeister Dr. Michael Häupl fand die Fragen "lächerlich und anachronistisch". Rudolf Nürnberger wollte sich "dem Zwang des Fragebogens nicht beugen und wird keinen Vorstand nominieren." Sogar Freiheitliche gingen mir auf den Leim: "Der freiheitliche Klubobmann Ing. Peter Westenthaler wird ganz keck sowohl seine Frau als auch sich als Haushaltsvorstand eintragen." (profil 14.5.2001)

Dieter Brosz hat allerdings mit einem nicht gerechnet: Seinem Heimatort Trumau steht Bürgermeister Otto Pendl vor. Und der hat ihn angezeigt. Daraufhin hat die Bezirkshauptmannschaft Baden Dieter Brosz zu 500 Schilling unbedingt verurteilt.

Pendl sitz nicht weit von Dieter Brosz für die SPÖ im Parlament. Alfred Gusenbauer muß jede Woche damit rechnen, dass irgendwo in seiner Partei ein Pendl auftaucht. Das ist der Grund, warum Gusenbauer immer trauriger dreinschaut.

Weil ich nicht einsehe, dass es vom Zustand des jeweiligen Bürgermeisters und nicht vom Gesetz abhängen soll, wer bestraft wird und wer nicht, greife ich zur Selbstanzeige und schreibe Michael Häupl einen Brief.

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Michl !

Am 15. Mai 2001 wurde österreichweit die letzte Volkszählung durchgeführt. Zahlreiche Personen sind meiner Anregung, die Fragen nach dem Religionsbekenntnis und nach dem Haushaltsvorstand im Rahmen des Fragebogens "Personenblatt" nicht auszufüllen, nachgekommen. Vor kurzem wurde nun Herr AbgzNR Dieter Brosz von deinem Parteifreund und Funktionskollegen, dem Bürgermeister von Trumau und AbgzNR Otto Pendl, aus diesem Grund bei der Bezirkshauptmannschaft Baden angezeigt.

In der Folge hat mein Kollege Brosz eine Strafverfügung erhalten. Da ich selbst ebenso wie Dieter Brosz die Fragen Nr. 7 (Haushaltsvorstand) und Nr. 8 (Religionsbekenntnis) nicht beantwortet habe und davon ausgehe, dass die Strafwürdigkeit nicht vom Wohnort, sondern vom Tatbestand abhängt, erstatte ich hiermit zwecks Gleichberechtigung vor dem Gesetz wegen Verstoss nach § 9 Volkszählungsgesetz Selbstanzeige.

Ich hoffe, dass Du ebenso wie ich an einer prinzipiellen Klärung der Frage interessiert bist.

Wien darf nicht Trumau werden."

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