Tagebuch / März 2010

<< zurück

MITTWOCH, 09. MÄRZ 2010

Seit zehn Uhr wird die Ratifizierung des Lissaboner Vertrags im Nationalrat diskutiert. Seit neun Uhr sitzen Präsenzdiener der Maria Theresienkaserne in den ersten beiden Reihen der Besuchergalerien. Bis zum Ende der TV-Übertragung sollen sie verhindern, dass ein Transparent oder ein Flugblatt die feierlichen Reden stören.Heute feiert sich die Regierung. Bisher hat sie sich versteckt. Dazu
>> mehr lesen

Seit zehn Uhr wird die Ratifizierung des Lissaboner Vertrags im Nationalrat diskutiert. Seit neun Uhr sitzen Präsenzdiener der Maria Theresienkaserne in den ersten beiden Reihen der Besuchergalerien. Bis zum Ende der TV-Übertragung sollen sie verhindern, dass ein Transparent oder ein Flugblatt die feierlichen Reden stören.

Heute feiert sich die Regierung. Bisher hat sie sich versteckt. Dazu hatte sie guten Grund.

„Brüssel ist schuld an der Inflation!“ Sollen Gusenbauer und Molterer darauf hinweisen, dass ein großer Teil der Schuld in Wien liegt?

„Brüssel verhindert konsequente Klimapolitik?“ Sollen die beiden darüber aufklären, dass sie nicht nur in der Klimapolitik die EU behindern?

Können wir von ÖVP und SPÖ wirklich erwarten, dass sie ganz ersatzlos auf den europäischen Sündenbock verzichten? Sie leben mit ihm ganz gut.

Der Plan, sich die Stimmung im Land mit ein paar Inseraten zu kaufen, ist schief gegangen. Viele Menschen sind enttäuscht und bereit zu glauben, dass die EU an allem schuld ist. Sachlich ist das von der Neutralität bis zur Gentechnik Unsinn. Aber in Zeiten wie diesen fällt allerlei Unsinn auf fruchtbare Böden.

In der Sache bin ich mir bei unserer Zustimmung völlig sicher. Der Vertrag bringt Fortschritte für Bürgerrechte, Demokratie und die Möglichkeiten des Neutralen. Wir können alles verhindern und zu nichts gezwungen werden.

Das einzige, was uns viele übel nehmen, ist unsere Ablehnung einer Volksabstimmung. Rechtlich ist sie nicht nötig, weil mit dem Vertrag nicht ein Buchstabe der österreichischen Verfassung geändert wird. Aber viele wollen sie, weil sie das Gefühl haben, auch diesmal einfach übergangen zu werden.

Das Gefühl ist berechtigt. Wäre das irgendeine wichtige Frage der österreichischen Politik, würden wir in der Regel Forderungen nach direkter Demokratie unterstützen. Aber hier geht es um etwas anders: um den Kern einer gemeinsamen europäischen Verfassung. Sie ist eine gemeinsame Sache Europas. Niemand würde bei einer Änderung der österreichischen Verfassung das Bundesland Kärnten befragen, nur weil dort der Ruf nach einer Landesabstimmung laut geworden ist. Wenn 25 andere Parlamente ratifizieren, sind wir auch allen anderen in Europa verpflichtet.

Die FPÖ fordert die Volksabstimmung, weil sie eine ehrliche Abstimmung über die Frage, ob Österreich aus der EU austreten soll, zu verlieren befürchtet. Strache ist zu feig, seine Karten offen auf den Tisch zu legen. Andere sollten ihm bei seinem Versuch, Europa durch die Hintertür zu demolieren, keine Einstiegshilfe bieten.

Die einzige saubere Lösung wäre die europaweite Volksabstimmung. Wir wollen sie – aber nach wie vor sind zu viele nationale Regierungen dagegen. Daher werden wir Grüne heute das tun, was Abgeordnete viel zu selten tun: ihre Verantwortung trotz Kritik uns nahestehender Menschen wahrnehmen.

So, jetzt ist die Fernsehübertragung vorbei. Die Bundesheersoldaten werden von der Besuchergalerie abgezogen. Kanzler und Minister verlassen fluchtartig das Parlament. Zwei Staatsekretärinnen bleiben sitzen. Nach außen ist der Schein der Wichtigkeit gewahrt. Nach innen wird schon längst auf jeden Schein gepfiffen.

So, und jetzt wird es peinlich. Brigid Weinzinger hat einen Antrag eingebracht, der die europäische Mencshenrechtspolitik zum Instrument gegen die chinesische Politik in Tibet machen will. Präsidentin Prammer sieht plötzlich keinen Zusammenhang mit der Tagesordnung. Lange haben die Beteuerungen, eine neue Ära der Menschenrechtspolitik breche an, nicht gehalten. Die chinesische Botschaft wird der Koalition applaudieren. Sonst wohl niemand.

Nach einer Stehpräsidiale ändert die Präsidentin ihre Entscheidung. Der Antrag wird zugelassen.

Antworten


Antwort von: die Grünen lernen's nie
verfasst am: 10.04.2008 12:22:43

mit einer derartigen Einstellung wird man in der nächsten Regierung vielleicht einen Ministerposten bekommen - die Talfahrt danach wird heftig ausfallen! Bitte nicht wundern, wenn die FPÖ
>> mehr lesen

mit einer derartigen Einstellung wird man in der nächsten Regierung vielleicht einen Ministerposten bekommen - die Talfahrt danach wird heftig ausfallen!

Bitte nicht wundern, wenn die FPÖ bei den nächsten Wahlen regen Zulauf erhält. Alle anderen großen Parteien pfeiffen auf den Willen der Bevölkerung, bei bestimmten Themen mitreden zu wollen!

FPÖ wird nicht die Lieblingspartei mancher Wähler sein, ABER sie wird wieder zur großen Protestpartei heranwachsen.

Grüne schlaft weiter!

Antworten


Antwort von: Aufklärer
verfasst am: 10.04.2008 03:45:23

Ich darf auf eine skandalöse Tatsache verweisen, die so schleichend passiert und von der kaum wer Notiz nimmt: Von 2003-2007 sind (http://www.asyl.at/fakten_8/basis.htm) 11.000
>> mehr lesen

Ich darf auf eine skandalöse Tatsache verweisen, die so schleichend passiert und von der kaum wer Notiz nimmt: Von 2003-2007 sind (http://www.asyl.at/fakten_8/basis.htm) 11.000 Tschetschenen(=Muslime) als Asylwerber anerkannt worden (das ist über 80% Anerkennungsquote gegenüber z.B. 20% Anerkennungsquote in Deutschland, 40% Anerkennungsquote in Frankreich) Diese 11.000 Tschetschenen, vorwiegend junge, aggressive und völlig ungebildete Männer, die ausschließlich mit Schleppern nach Österreich gekommen sind, haben nun lt. Asylgesetz das Recht ihre Familie nach Österreich nachzuholen - rechnen wir das (vorsichtig) mit 4 Personen pro Nase hoch kommen wir auf 55.000 Personen(!!!) - die Einwohnerzahl einer für österr. Verhältnisse großen Stadt - die so einfach mal in fünf Jahren ins Land gelassen wurden und die natürlich bleiben dürfen (Asylstatus wird kaum aberkannt, schon gar nicht bei Tschetschenen) und nach sechs Jahren Aufenthalt die österr. Staatsbürgerschaft erhalten. Die natürlich Wohnung brauchen, Arbeit suchen (Lohndumping!!), Sozialleistungen erhalten, krankenversichert sind etc. etc.

Wenn Österreich (u.a. bei den Tschetschenen) weiter den Asylvollidioten Europas und der Welt spielt, dann kippt bald alles, was noch einigermaßen im Lot ist (sozialer Friede, Sozialsysteme, etc.)

Antworten


Antwort von: Küchenjurist (hermann@deranwalt.at)
verfasst am: 13.04.2008 16:07:06

1) Beim Gutteil der bislang anerkannten Tschetschen/innen handelt es sich bereits um Familien (also Mann + Frau + Kind/er), wobei jede Asylerstreckung auf Familienmitglieder in der Statistik als
>> mehr lesen

1) Beim Gutteil der bislang anerkannten Tschetschen/innen handelt es sich bereits um Familien (also Mann + Frau + Kind/er), wobei jede Asylerstreckung auf Familienmitglieder in der Statistik als Asylgewährung aufscheint (weil ja auch jedes Familienmitglied eigens Asyl erhält). Da die Asylerstreckung laut Asylgesetz auf Eheleute und minderjährige Kinder beschränkt ist, wird sich Ihre Milchmädchenrechnung wohl kaum ausgehen.

2) "Tschetschenen" gibt es in der Asylstatistik nicht, weil Tschetschenien Teil der Russischen Föderation ist; wer behauptet, es wäre "11.000 Tschetschenen Asyl gewährt worden", weiß somit mehr als das Innenministerium.

3) "Tschetschenen" sind keineswegs nur Muslime, geschweige denn "vorwiegend jung oder ungebildet", was sich auch schon daraus erklärt, daß es sich bei Tschetschenien um eine ehemalige sowjetische Teilrepublik handelt, wo jede/r eine Schul- und Berufsausbildung erhalten hat, und wo sich auch viele Menschen aus anderen Teilrepubliken niedergelassen haben, die im Zuge der beiden Kriege zwischen die Fronten geraten sind (weil sie von beiden Seiten der Kollaboration mit den Gegnern verdächtigt wurden) und deshalb fliehen mußten.

Antworten


Antwort von:
verfasst am: 10.04.2008 11:43:38

dem muss ich beipflichten! wir steuern einer extrem besorgnisserregenden Entwicklung zu...

Antworten


Antwort von:
verfasst am: 09.04.2008 21:00:10

es is schön das sich die Grünen so sehr für die Rechte der Tibeter einsetzen aber gegen eine Volksabstimmung im eigenen Land waren sie trotzdem! Zuerst ne Volksanwältin für
>> mehr lesen

es is schön das sich die Grünen so sehr für die Rechte der Tibeter einsetzen aber gegen eine Volksabstimmung im eigenen Land waren sie trotzdem!

Zuerst ne Volksanwältin für Asylwerber, jetzt ne Nationalratsabgeordnete für Tibeter, wie geht's bitteschön weiter Hr. Pilz?

Antworten


Antwort von: Sprachrohr des Präsidenten
verfasst am: 09.04.2008 18:14:11

Ich darf unseren Herrn Bundespräsidenten zitieren: Ich achte die christlichen Wurzeln der europäischen Gesellschaft und glaube, dass eine Gesellschaft, die sich daran hält, anderen
>> mehr lesen

Ich darf unseren Herrn Bundespräsidenten zitieren: Ich achte die christlichen Wurzeln der europäischen Gesellschaft und glaube, dass eine Gesellschaft, die sich daran hält, anderen überlegen ist

Antworten


Antwort von: Küchenjurist (hermann@deranwalt.at)
verfasst am: 09.04.2008 20:05:38

Nach ihrem eigenem Dafürhalten sind Gesellschaften immer anderen überlegen, schon weil andernfalls der Unterschied zwischen Sollen und Sein subjektiv unüberbrückbar wäre
>> mehr lesen

Nach ihrem eigenem Dafürhalten sind Gesellschaften immer anderen überlegen, schon weil andernfalls der Unterschied zwischen Sollen und Sein subjektiv unüberbrückbar wäre (Ausnahmen bestätigen diese Regel, sonst könnte es komische Vereine wie FPÖ, BZÖ, RFJ usw. nicht geben, die davon leben, unterbewußte Komplexe anzusprechen).

Antworten


Antwort von: Millimetternich
verfasst am: 09.04.2008 21:05:27

Der übliche Primitivreflex unseres lieben Küchenjuristen, jedoch hier wurde der BUNDESPRÄSIDENT (ein Sozi!!) zitiert, wie er ausnahmsweise einmal ein wahres Wort gesprochen hat
>> mehr lesen

Der übliche Primitivreflex unseres lieben Küchenjuristen, jedoch hier wurde der BUNDESPRÄSIDENT (ein Sozi!!) zitiert, wie er ausnahmsweise einmal ein wahres Wort gesprochen hat

http://test.orf.at/go/news/265607.html (siehe ganz unten)

Seit wann ist der beim BZÖ, RFJ bzw. bei der FPÖ!!??

Hoffnungslos, sie werden es nicht mehr lernen!!!

Antworten


Antwort von: Küchenjurist (hermann@deranwalt.at)
verfasst am: 09.04.2008 23:41:08

Daß ich von Ihnen nichts lernen kann, war mir schon von vornherein klar.

Antworten


Antwort von: anderer kritischer Bürger
verfasst am: 09.04.2008 16:44:43

Warum traut sich niemenad zu sagen, was offensichtlich alle denken? Eine Volksabstimung über einen 190-seitigen Vertrag den 95% der Österreicher nicht lesen werden und von den restlichen 5%
>> mehr lesen

Warum traut sich niemenad zu sagen, was offensichtlich alle denken? Eine Volksabstimung über einen 190-seitigen Vertrag den 95% der Österreicher nicht lesen werden und von den restlichen 5% 99% den Inhalt nicht verstehen ist falsch! Dafür gibt es die gewählten Vertreter, die das Zeug lesen, verstehen und abstimmen müssen.

P.S.: Ich versteh das meiste auch nicht und bin froh, nicht darüber abstimmen zu müsen.

Antworten


Antwort von: Traurig
verfasst am: 10.04.2008 18:24:53

Leider haben die abstimmenden Politiker auch keine Ahnung - die meisten den Vertrag nicht gelesen, sie vertrauen ihren Experten.Artikel in der Zeitung "Heute" befragte Politiker mit
>> mehr lesen

Leider haben die abstimmenden Politiker auch keine Ahnung - die meisten den Vertrag nicht gelesen, sie vertrauen ihren Experten.

Artikel in der Zeitung "Heute" befragte Politiker mit Foto.

Ich kann leider diesen Politikern nicht vertrauen, bei ihrem fetten Honoraren erwarte ich mir, daß sie wenigstens wissen worüber sie abstimmen. Ergo besser Volksabstimmung.

Antworten


Antwort von: an den kritischen Nasenbohrer...
verfasst am: 09.04.2008 17:17:39

"offensichtlich alle denken" ???? Woher wissen Sie was ich denke ???? Mit dümmlichen Verallgemeinerungen werden Sie keinen Blumentopf gewinnen ! Ich traue es 95% der
>> mehr lesen

"offensichtlich alle denken" ???? Woher wissen Sie was ich denke ???? Mit dümmlichen Verallgemeinerungen werden Sie keinen Blumentopf gewinnen ! Ich traue es 95% der Nationalratsabgeordneten nicht zu den Vertrag zu verstehen ! Warum soll ich diese geistigen Christkindln abstimmen lassen ! Es lebe die Demokratie nach Schweizer Vorbild !!

Antworten


Antwort von: Küchenjurist (hermann@deranwalt.at)
verfasst am: 09.04.2008 20:08:51

Ich bin zwar nicht angesprochen und ich weiß auch nicht was Sie denken, aber ich kann sicher sagen, daß es nicht viel ist.

Antworten


Antwort von: Kritischer Bürger
verfasst am: 09.04.2008 16:21:39

"Wenn 25 andere Parlamente ratifizieren, sind wir auch allen anderen in Europa verpflichtet." ... das stimmt ja jetzt so nicht ganz ;-) - eine billige Argumentation

Antworten