Tagebuch / Juni 2016

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SONNTAG, 04. JÄNNER 2009

Gert Jonke ist gestorben. Der wunderbarste Schriftsteller, den ich kenne, lebt nicht mehr. Das ist schwer vorzustellen.Vor langer Zeit hat mich die Buchhandlung „Buch und Wein“ eingeladen, meinen Lieblingsdichter vorzustellen und etwas von ihm vorzulesen. Ich habe mich für Jonke entschieden. Gleich danach hat mich ein schüchterner leicht hinkender Mann angesprochen. So habe ich Gert kennen
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Gert Jonke ist gestorben. Der wunderbarste Schriftsteller, den ich kenne, lebt nicht mehr. Das ist schwer vorzustellen.

Vor langer Zeit hat mich die Buchhandlung „Buch und Wein“ eingeladen, meinen Lieblingsdichter vorzustellen und etwas von ihm vorzulesen. Ich habe mich für Jonke entschieden. Gleich danach hat mich ein schüchterner leicht hinkender Mann angesprochen. So habe ich Gert kennen gelernt.

Wir haben uns dann oft getroffen. Er wollte immer genau wissen, was in der Politik passiert. Kopfschüttelnd hat er in meinen Berichten immer gleich Figuren und Szenen für absurdes Theater gefunden.

Dann hat er erzählt: vom großen Händel und von fliegenden Zimmern, über Schostakowitschs seltsame Biografie und die Straßenbahnen von Wien, von seinem Kärnten und die Verhaiderung, die er gehasst hat wie sonst nichts.

Als ihn die Kulturpolitik nicht mehr übersehen konnte, musste sie ihn ehren. So wurde vom Staatssekretär entschieden, dass der große Preis zu verleihen sei. Am Tag der Ehrung warteten alle im Steinsaal des Bundeskanzleramts. Der Staatsekretär stand unten am Eingang zum Amt. Weil er als Schauspieler wusste, dass der Wichtigste als Letzter aufzutreten hatte, wartete er unten auf Jonke. Der kam nicht.

Gert Jonke war noch mit dem Suchen beschäftigt. In der Früh war ihm klar geworden, aus welchen Texten er heute vorlesen müsste. Als er sie gefunden hatte, nahm er sich mit einer halben Stunde Verspätung ein Taxi.

Sein Vortrag war gut wie immer, lebendig, mitreißend. Dann sprach der Staatssekretär, über sich und auch Jonke, über seine Kulturpolitik und immer weniger über Jonke. Dann war er fertig.

Da stand Gert Jonke auf, ging noch einmal ans Pult und hielt eine Rede. Was er tun würde, wenn er einen Tag regieren könnte. Es war die Rede über ein schöneres, offeneres und gut vorstellbares Österreich. Es war die Rede von menschlichen Selbstverständlichkeiten, die der Regierung fremd geworden waren. Es war die Rede vom Schöpfen und vom Streiten, von einem besseren Land.

Als sich Gert Jonke wieder setzte, hatte die Kunst den Kunstverwalterdarsteller in seine Schranken gewiesen.

Gert Jonke, das war Ulrich Wildgruber in Dietmar Pflegerls Klagenfurter Stadttheater auf der Schaukel mit dem großen Schlussmonolog aus „Es singen die Steine“. Das war das „Insektarium“ mit den wunderbaren Pannen bei der Uraufführung. Das war Markus Hering in der „Chorfantasie“ und im „Freien Fall“ im Akademietheater. Das war er selbst noch im letzten Herbst in „Platzen Plötzlich“ im Semperdepot.

Hubertus Czernin, Dietmar Pflegerl und jetzt Gert Jonke – das sind die Menschen, die ein Land wie Österreich so dringend braucht – und die so fehlen.

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Antwort von: richard jurst
verfasst am: 04.01.2009 22:26:57

koinzidenz. auch ich bin jonke an jenem abend zum ersten mal persönlich begegnet (ich hatte ihn unbekannterweise eine einladung zu der lesung geschickt). u ich dachte immer, sie würden ihn
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koinzidenz. auch ich bin jonke an jenem abend zum ersten mal persönlich begegnet (ich hatte ihn unbekannterweise eine einladung zu der lesung geschickt). u ich dachte immer, sie würden ihn schon lange u viel besser kennen.

danke für dieses kennenlernen. jonke hat mein leben in für mich unbeschreiblicher art bereichert.

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Antwort von: Karl Kraus, Auslandsösterreicher
verfasst am: 04.01.2009 19:46:39

Und die Zeiten, wo der rote Nenning und der schwarze Mauthe ihr Manifest an das Schöne schreiben konnten, sind auch vorbei. Am Abend des 28.9. erinnerten mich die Spitzenkandidaten an einen
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Und die Zeiten, wo der rote Nenning und der schwarze Mauthe ihr Manifest an das Schöne schreiben konnten, sind auch vorbei. Am Abend des 28.9. erinnerten mich die Spitzenkandidaten an einen peinlichen Schutzbündler, einen frustrierten Hahnenschwanzler, zwei grinsende Deutschnationale und daneben ein einsamer alter Jude kurz vor der Emigration. 1934, nur ohne Waffen. Schade, dass es so weit kam.

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Antwort von: Häferl
verfasst am: 04.01.2009 17:38:12

S.g. Herr Pilz!Bin erst seit heute wieder internet-fähig.Daher kurz zusammengefasst folgendes:1) Kenne kein Werk von Gert Jonke, werde mir aber jetzt mal eines zu Gemüte führen.2) Den
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S.g. Herr Pilz!

Bin erst seit heute wieder internet-fähig.

Daher kurz zusammengefasst folgendes:

1) Kenne kein Werk von Gert Jonke, werde mir aber jetzt mal eines zu Gemüte führen.

2) Den ironischen Kommentar zu Leitl hätten Sie sich ersparen können. So sinnlos Ihr Kommentar ist, so sinnvoll ist die Exportinitiative. Marketing, Werbung und Präsenz sind in einer globalen Wirtschaft notwendig, das sollten auch Sie verstehen.

3) Kloiber: Nur weiter so, hoffe aber einmal auf einen Smoking gun.

4) Ad Fasanin und ihre Cohn-Bendit-Verteidigung:

OFFENSICHTLICH SIND DAS JA AUTOBIOGRAPHISCHE ANGABEN, ALSO BESTEHT AN DER RICHTIGKEIT KEIN ZWEIFEL. HIER GIBT ES NICHTS ZU VERTEIDIGEN!!!!!

COHN-BENDIT SOLLTE EIGENTLICH BEREITS ZURÜCKGETRETEN (WORDEN) SEIN!!!!

5) Ad Cheerio: Ziehe meinen Hut vor Ihnen!

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Antwort von: cheerio
verfasst am: 04.01.2009 19:10:01

danke häferl, möchte nur eine bemerkung zu leitels aussagen, eine kurze bemerkung abgeben,seit dem ende des zweiten weltkrieges gibt es aussenhandelsstellen,österreich ist seit damals,
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danke häferl, möchte nur eine bemerkung zu leitels aussagen, eine kurze bemerkung abgeben,

seit dem ende des zweiten weltkrieges gibt es aussenhandelsstellen,

österreich ist seit damals, iommer gut aufgestellt gewesen, und hat auch viele aufträge ans land gezogen, zb, elinturbinen in vielen ländern, die sonst nicht zustande gekommen wären, und das wird seit jahrzehnten sehr erfolreich durchgeführt, man kann immer dinge verbessern, aber das system wurde auch von vielen ländern versucht zu kopieren, aber österreich hat da eine qualität entwickelt, die schwer zu kopieren ist.

verstehe daher leitl nicht ganz warum er etwas betont, daß sehr gut funktioniert,

man soll aber sein selfimage immer überprüfen und auch überprüfen lassen, vielleicht hat er es checken lassen.

österreich beteiligt sich auch an vielen ausstellungen, die firmen die dort hinfahren werden auch finanziell unterstützt. cheerio

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Antwort von: Häferl
verfasst am: 06.01.2009 13:18:30

Sie haben sicher in vielem Recht, möchte nur ergänzen, dass nicht nur die Aussenhandelsstellen, sondern auch die (manchmal geschmähten) Botschaften und Konsulate weltweit hier ihren
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Sie haben sicher in vielem Recht, möchte nur ergänzen, dass nicht nur die Aussenhandelsstellen, sondern auch die (manchmal geschmähten) Botschaften und Konsulate weltweit hier ihren Beitrag leisten.

Trotzdem glaube ich auch, dass eine gute Stellung verteidigt, ausgebaut, gepflegt etc. werden muss, dazu bedarf es aber immer wieder erfrischender neuer Initiativen.

Es hat mich daher einfach geärgert, dass PP in diesem Fall einfach irgendetwas hinschreibt, um nur ja irgendetwas kritisieren zu können. Nicht jeder ÖVPler ist schlecht, aber auch nicht jeder Grüne ist gut (damit meine ich nicht den PP, der ärgert mich manchmal, hat aber immer wieder recht).

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Antwort von: arafat war der bin laden des 20 jhd
verfasst am: 04.01.2009 11:51:39

und niemand kaeme auf die idee den herren mit staatsehren zu empfangen... so gesehen ist oesterreichs schuld am tod tausender im nahen osten wiedermal einzigartig ich denke nicht dass es obama oder
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und niemand kaeme auf die idee den herren mit staatsehren zu empfangen...

so gesehen ist oesterreichs schuld am tod tausender im nahen osten wiedermal einzigartig

ich denke nicht dass es obama oder europa sind die sich aendern muessen .. der konflikt wird wohl nur auf 2 arten loesbar sein ... eine davon ist das volk der palistinenser aechtet die terroristen in ihren eigenen reihen

der gedanke dass wir mit unseren zahlungen direkt den terror gegen israel finanzieren erschuettert mich und kann wohl nur einem unsaeglichen gedankengut des vorigen jahrhunderts entspringen

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Antwort von:
verfasst am: 04.01.2009 21:31:08

... nein staatsehren gibt es nur fuer oeffentlich anerkannte cia-mitarbeiter wenn sie dementsprechend "nuetzlich" waren im kampf um die abschaffung auch der letzten menschenrechte ...
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... nein staatsehren gibt es nur fuer oeffentlich anerkannte cia-mitarbeiter wenn sie dementsprechend "nuetzlich" waren im kampf um die abschaffung auch der letzten menschenrechte ... solche wie bin laden muessen sich halt wahrscheinlich mit geld oder sonstigen verguetungen begnuegen ...

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Antwort von: falke
verfasst am: 04.01.2009 11:41:19

Zitat Peter Pilz: „Aber die Hamas muss zuerst den Raketenterror beenden. Erst dann kann sinnvoll verhandelt werden.“ Genau das wird die Hamas aller Wahrscheinlichkeit nicht machen. Es ist
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Zitat Peter Pilz: „Aber die Hamas muss zuerst den Raketenterror beenden. Erst dann kann sinnvoll verhandelt werden.“

Genau das wird die Hamas aller Wahrscheinlichkeit nicht machen. Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich mit einer Gruppe zu verhandeln, die den Tod verherrlicht und deren Kämpfer möglichst schnell den Märtyrertod sterben wollen, um in das Paradies zu kommen. Diese Menschen sind im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr von dieser Welt.

Die Hamas will keinen Frieden, denn sie bezieht all ihren Einfluss und ihre Macht aus dem Konflikt mit Israel, und sie ist wie die Hisbollah eine Marionette des Irans der sie logistisch, militärisch und finanziell unterhält.

Ich bezweifle aber auch, dass Israels Armee alleine den Raketenterror stoppen kann. Kurzfristig muss also so eine Lösung mit UN – Truppen wie im Südlibanon angestrebt werden, langfristig müssen die Palästinensern im Gazastreifen erkennen, dass die Hamas keine Zukunft für Gaza ist und dass die Hamas nur als Schutzschilde im Kampf für ihren islamischen Fundamentalismus benutzt der nicht im Interesse des palästinensischen Volkes ist. mfg falke

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