Tagebuch / Mai 2012

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SONNTAG, 07. OKTOBER 2001

Egal, mit wem man redet, eines spüren alle: Parlament spielen in der NATO kaum eine Rolle. Auch in Ottawa schaffen die USA an, die Briten assistieren und die Osteuropäer gebärden sich als Musterschüler. Ein slowakischer Abgeordneter bezichtigt die EU der Feigheit, weil sie nicht in Afghanistan mitbombt.Im Hintergrund klingt bei vielen die Frage nach der gemeinsamen Zukunft von USA und EU.
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Egal, mit wem man redet, eines spüren alle: Parlament spielen in der NATO kaum eine Rolle. Auch in Ottawa schaffen die USA an, die Briten assistieren und die Osteuropäer gebärden sich als Musterschüler. Ein slowakischer Abgeordneter bezichtigt die EU der Feigheit, weil sie nicht in Afghanistan mitbombt.

Im Hintergrund klingt bei vielen die Frage nach der gemeinsamen Zukunft von USA und EU. Emanzipiert sich die europäische Sicherheitspolitik von der amerikanischen Vormundschaft und wird sie mehr als ein Bündnis von Staaten, die ihr Militär von Fall zu Fall zusammenlegen ? Wie gemeinsam, aber vor allem, wie demokratisch bestimmt wird die europäische Sicherheit ?

Am Rande der Konferenz werden ein paar Suppen extra gekocht. Die Türken verlangen lautstark nach einem Freibrief, um ihre Kurden besser fertigmachen zu können. Im Ton freundlicher und verbindlicher versuchen die Spanier dasselbe in Richtung ihrer Basken. Wladimir Schirinowski hat im Politischen Komitee einen großen, wirren Auftritt. Er beschuldigt die NATO, die Kursk versenkt zu haben.

Busfahrt nach Montreal. Die Laubwälder stehen rot-grün im Indian Summer. Zum ersten Mal ist es kalt. Graupen regnen auf das Fabriksgelände von Bombardier Aircraft. Ein kleiner, ständig lachender Guide führt uns durch Montagestraßen und Firmenphilosophie. "The guy working on floor is the king. Down from our president we all have to serve him." In den letzten Wochen sind 3800 kings gekündigt worden. Ihre Diener vom Firmenpräsidenten abwärts haben die Produktivität erhöht: nur noch 1,3 Tage für ein Flugzeug.

Der kanadische Geheimdienst hat Erklärungsbedarf. Vor wenigen Jahren hat der letzte arabisch sprechende Mitarbeiter den Dienst verlassen. Wie in den USA ist elektronisch massiv aufgerüstet worden. Alles kann abgehört werden - aber immer weniger wird verstanden.

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