Tagebuch / Mai 2012

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DONNERSTAG, 24. JÄNNER 2002

Besorgte Parteifreunde rufen mich an. „War das wirklich notwendig ? Während dem ganzen Volksbegehren haben wir das Wort ´Krone´ nicht in den Mund genommen, und jetzt, wo alles vorbei ist, fährst du dem Dichand so ins Gesicht?" Natürlich sind wir einer Meinung: Die Kronenzeitung hat rund um das Volksbegehren der FPÖ ihre Macht mißbraucht. „Aber wir stehen ja vor Wahlen. Denkst du da
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Besorgte Parteifreunde rufen mich an. „War das wirklich notwendig ? Während dem ganzen Volksbegehren haben wir das Wort ´Krone´ nicht in den Mund genommen, und jetzt, wo alles vorbei ist, fährst du dem Dichand so ins Gesicht?" Natürlich sind wir einer Meinung: Die Kronenzeitung hat rund um das Volksbegehren der FPÖ ihre Macht mißbraucht. „Aber wir stehen ja vor Wahlen. Denkst du da auch daran ?"

Ich denke. Und dabei fällt mir wieder einmal eines auf: Wir Grüne haben ein seltsames und unklares Verhältnis zur Macht. Eva Glawischnig hat das vor kurzem wieder einmal so schön missverständlich formuliert: „Es geht jetzt nicht um Inhalte, sondern um die Machtfrage." Was ist jetzt diese „Machtfrage" ? Und warum ist sie eine Frage ?

Wie jede Partei können Grüne um Macht kämpfen - oder sich an bestehende Macht anpassen. Zu ersterem gehört der Glaube, aus eigener Kraft etwas bewirken und verändern zu können. Zu letzterem gehört ein großer Teil von uns Grünen.

Wer etwas verändern will, muss darauf erstens sachlich genau vorbereitet sein. Er muss bis ins Detail wissen, worum er kämpft. Zweitens muss er wissen, wie es geht: wann, mit wem und gegen wen. Und drittens muss er bereit sein, Interessen zu verletzen. Man setzt nichts Neues durch, ohne etwas Altes anzugreifen.

Wer Interessen verletzt, geht Risiko ein. Egal ob Sozialpartner, agrarchemische Konzerne oder ein Zeitungskartell - alle werden ihre Interessen mit allen Mittel verteidigen. Hans Dichand hat dabei schon oft gezeigt, dass er dabei sehr weit geht.

Eines der wenigen offenen Erfolgsgeheimnisse von Politik liegt darin, dass man Machtmißbrauch dann angreift, wenn alle glauben, dass es gegen Übermächte geht. Alle jammern und warten, dass jemand etwas tut. Je älter und überlebter der Filz ist, desto besser stehen die Chancen für den, der hineinschneidet. Was vielen chancenlos scheint, ist meist eine große Möglichkeit - wenn man sich gut vorbereitet und dann angreift - mit Tempo, Überzeugung und Vergnügen. Es wird Zeit, dass sich die Grünen wieder daran erinnern.

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