Tagebuch / Mai 2012

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DONNERSTAG, 22. FEBRUAR 2001

Peter Turrini besucht uns im Klub. Schon vor einiger Zeit hat er mich auf unsere Kulturpolitik angesprochen und gefragt, wo er sie suchen solle. Van der Bellen, Marie Ringler und unsere Kultursprecherin Ewa Glawischnig sind dabei, Peter Turrini hat Popp von Litera-Mechana mitgebracht. Schon mit der Einleitung nimmt das Gespräch eine unerwartete Wendung. Turrini will einmal erzählen, was
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Peter Turrini besucht uns im Klub. Schon vor einiger Zeit hat er mich auf unsere Kulturpolitik angesprochen und gefragt, wo er sie suchen solle. Van der Bellen, Marie Ringler und unsere Kultursprecherin Ewa Glawischnig sind dabei, Peter Turrini hat Popp von Litera-Mechana mitgebracht. Schon mit der Einleitung nimmt das Gespräch eine unerwartete Wendung. Turrini will einmal erzählen, was Künstler von Politikern erwarten: zuerst einmal Zuwendung und Interesse. „Fragt uns nicht dauernd, was wir mit der Politik wollen, fragt uns einmal nach unserem Werk." Turrini ist überrascht, wie viel unsere Kulturpolitiker in wichtigen Sachfragen wissen und tun. Von der Künstlersozialversicherung bis zum europaweiten Copyright sind wir überall mittendrin – aber kaum jemand von der Künstlern nimmt uns wahr. Irgendwie müssen wir aus dem kulturpolitischen Nichts heraus. Premieren gehen gehört dazu, aber wirkliches Interesse geht weiter.

Die Kulturpolitik ist in Österreich in der sonderbarsten Parteienlage seit 1945 gelandet. Die ÖVP stellt mit dem vorsichtig-liberalen Marboe und dem hilflos reaktionären Morak die beiden wichtigsten Kulturpolitiker; die Freiheitlichen stellen den Vorsitz im Kulturausschuss; die Sozis pfeifen auf Kultur; und wir sehen die große Chance, aber zögern noch. Aber Turrini, Ruiss, Gratzer und viele andere machen uns jetzt hoffentlich klar, was alles von uns erwartet wird.

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