Tagebuch / Mai 2012

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DIENSTAG, 06. MÄRZ 2001

Durch die ganze Innenstadt bin ich extra zu Fuß ins Büro gegangen, um endlich einmal den Wiener Wahlkampf zu treffen. Wieder nichts. Er muß sich irgendwo versteckt haben. Der Innenminister hat EKIS österreichisch reformiert. Es heißt jetzt "EKIS 01" und soll besser sein. Wie allerdings Strasser das Problem, dass nach wie vor freiheitliche Polizisten Zugang zu den Computern haben, lösen
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Durch die ganze Innenstadt bin ich extra zu Fuß ins Büro gegangen, um endlich einmal den Wiener Wahlkampf zu treffen. Wieder nichts. Er muß sich irgendwo versteckt haben.

Der Innenminister hat EKIS österreichisch reformiert. Es heißt jetzt "EKIS 01" und soll besser sein. Wie allerdings Strasser das Problem, dass nach wie vor freiheitliche Polizisten Zugang zu den Computern haben, lösen will, weiß klarerweise niemand. Aber der Fortschritt folgt auf dem Fuß: Im Sommer 2003 soll EKIS 01 durch IPOS ersetzt werden. IPOS steht für "Integriertes Polizeiliches Sicherheitssystem". Mehr weiß Strasser auch noch nicht. Ich bin gespannt, wie die Erfindung einer neuen Polizeiverpackung gefeiert wird.

Am Abend kehre ich heim an den Schmerlingplatz. Der VSStÖ hat mich eingeladen, rot-grün zu diskutieren. Vor rund 25 Jahren bin ich genau in diesem Zimmer im Hof von den sozialististischen Studenten ausgeschlossen worden. Michael Häupl, Josef Cap, Brigitte Ederer, Renate Brauner, Karl Schlögl, Peter Pelinka und Manfred Matzka waren damals der Meinung, dass Robert Wiesner, Siegi Mattl und ich der SPÖ nicht mehr zumutbar seien. Sie hatten natürlich recht.

Rein altersbedingt ist der VSStÖ natürlich geschlossen für rot-grün. Aber irgendwie sind die alten Vorfeldorganisationen der SPÖ schwer anachronistisch. Das politische Leben hat sich geändert, die neue Linke heißt "get to attack" oder sowie. Auch unsere Jugendlichen sind recht brav und traditionell. Michael Frank von der Süddeutschen Zeitung hat mich vor Weihnachten einmal darauf hingewiesen, dass es einen Grund haben muss, warum die schlimmen, aufmüpfigen und radikalen Jugendlichen ganz woanders und sicher nicht bei den Grünen oder den Sozis sind. Wir haben im VSStÖ noch gesungen:

"Auf in den Kampf ihr Genossen
Kauft´s euern Rum im Konsum
Holt´s aus dem Wald euch die Prügeln
Und bringt´s den Parteivorstand um."

Heute erzählen mir einige Anwesende, dass man im VSStÖ das politische Handwerk erlernen könnte. Stimmt, nur darum geht es eben gerade nicht. Das Handwerk taugt etwas, wenn man die Haltung erlernt hat, wenn man weiß, wozu man ein paar politische Techniken und Taktiken braucht. Aber wenn man schon am Beginn der großen Parteiochsentour recht zahm ist, dann paßt man bald ins Geschirr der Partei. Trotzdem werden etliche der Anwesenden so wie wir damals auf die Partei pfeifen. Dann werden sie so toll wie wir !

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