MITTWOCH, 07. MÄRZ 2001
Ein Anruf aus der Staatsanwaltschaft. Die ganze Eisenmenger-Bestellung soll eine glatte Manipulation sein. Der anonyme Anrufer kündigt mir Unterlagen an.Und jetzt denke ich mir eine Geschichte aus. Nehmen wir an, zwei Verlage wollen heiraten. Dann sagen wir, vor zirka drei Wochen trifft sich der Chef einer großen Genossenschaft mit einem Chef einer grauslichen Partei. Der Genossenschaftschef
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Ein Anruf aus der Staatsanwaltschaft. Die ganze Eisenmenger-Bestellung soll eine glatte Manipulation sein. Der anonyme Anrufer kündigt mir Unterlagen an.
Und jetzt denke ich mir eine Geschichte aus. Nehmen wir an, zwei Verlage wollen heiraten. Dann sagen wir, vor zirka drei Wochen trifft sich der Chef einer großen Genossenschaft mit einem Chef einer grauslichen Partei. Der Genossenschaftschef will, dass geheiratet wird. Er fürchtet aber einen Einspruch des Justizministers. Meine schmutzige Phantasie sagt mir jetzt, na was macht der Chef der grauslichen Partei ? Er will politische Unterstützung und Geld. Der Chef der Genossenschaft sagt ihm darauf zirka 15 Millionen zu. Sagen wir, am 22. Februar besuchen zwei Brüder den Bundeskanzler und gleich darauf die Vizekanzlerin. Kurz zuvor haben sich die beiden mit drei Chefs der grauslichen Partei getroffen. Der Kanzler und seine Stellvertreterin beruhigen die Brüder. Der Justizminister werde seinen angekündigten Einspruch zurückziehen. Die Brüder wollen sich erkenntlich zeigen. Gleich darauf erklärt der Justizminister, er verzichte auf den Einspruch. Irgend so etwas soll tatsächlich in Albanien passiert sein, ehrlich gesagt weiß ich aber nichts genaueres.
Der Abend wird kulinarisch:
Salat aus kleingeschnittenen grünen Häupln
Hammel Gemeindebau
Rotschmierkäse
Torte Dumpgesicht
Ganz kleine Brauner
Das ist unser Wahlmenu, das Wolfgang Pirklhuber und ich im Restaurant Konoba in der Lerchenfelderstrasse 66 (guter Tipp zum Essen gehen) kochen. Das heißt, der Koch kocht, und wir stellen uns im Kochgewand dazu und tun so, als ob wir kochen würden. Der Hammel ist hinreissend, und die Torten sind eine Zierde jedes Freiheitlichen Gesichts.
Ich geh von Tisch zu Tisch, und fast alle Journalisten reden nur über eines: Wie soll es mit den Medien weitergehen. Zwischen Krone, Newsprofilformat und ORF hat kaum jemand noch Platz. Wochenjournalisten können von Fellner zu Fellner gehen, und im ORF regiert Westenkhol. Die Autoritäre Wende greift voll. Und kaum jemand wehrt sich. Die Angst und die Hoffnungslosigkeit ist bei den meisten Journalisten ganz dicht zu spüren.






