Tagebuch / Mai 2012

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FREITAG, 16. MÄRZ 2001

Erst krank, dann Urlaub, fast eine Woche kein Tagebuch. Trotzdem erlebe ich Bewegendes. In der Wirtsstube in Landeck wartet ein Freund auf mich. Sieben, acht Bodenständige begrüßen mich: „Bischt der Pilz, setz di her !" Die zweite Aufforderung erfolgt nach dem Platznehmen: „Bischt a Politiker, zahlscht a Runde !" Ich versuche Klarheit zu schaffen und weise darauf hin, dass das Zahlen von
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Erst krank, dann Urlaub, fast eine Woche kein Tagebuch. Trotzdem erlebe ich Bewegendes. In der Wirtsstube in Landeck wartet ein Freund auf mich. Sieben, acht Bodenständige begrüßen mich: „Bischt der Pilz, setz di her !" Die zweite Aufforderung erfolgt nach dem Platznehmen: „Bischt a Politiker, zahlscht a Runde !" Ich versuche Klarheit zu schaffen und weise darauf hin, dass das Zahlen von Lokalrunden eine Form des Stimmenkaufs sei. Nachdem ich mich bei Ansehen der Beteiligten nicht auf die Stimmabgabe verlassen könne, verlange ich Sicherheit - und schlage eine Stimmabtretungserklärung vor. „Zahl zerscht, nachher wähl ma di !", kommt als Antwort. Der Computer in der Rezeption läuft, und ich fertige ein Formular an:

„STIMMABTRETUNGSERKLÄRUNG:

Ich erkläre hiermit, dass ich gegen die Bezahlung eines alkoholischen Getränks meine Stimme an Dr. Peter Pilz abtrete."

Die Hälfte der Runde unterschreibt, einer aus Jux, zwei, drei eben so, wie Stimmen sonst für die FPÖ abgegeben werden: Bier her, Stimme weg. Ich muß mir ausrechnen, mit wie vielen Bieren man die FPÖ auf ein erträgliches Maß reduzieren könnte. Aber was ist ein „erträgliches Maß" ? Und warum ist Michael Häupl mit seinem heroischen Versuch, mit allen Wiener Wählern einmal anzustoßen, dermaßen gescheitert ?

Als ich der Runde erkläre, dass die, die nicht unterschrieben haben, ein Bier bekommen, herrscht Ratlosigkeit. Die anderen, sag ich ihnen, kriegen eines auf Bewährung.

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