DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2002
Der Fehler liegt in der Liebe. Einige bei uns haben geglaubt, dass es mit dem Regieren so ist wie mit der Liebe: erst eine scheue Berührung und der erste Kuss, dann Zusammenkuscheln und gemeinsame Abende, Verlobung und als Höhepunkt die besorgte Frage des Bundespräsidenten: Alfred, willst du Alexander oder Eva zum Vizekanzler nehmen ? Die Wähler wollten nicht Brauteltern sein, weil wenigstens
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Der Fehler liegt in der Liebe. Einige bei uns haben geglaubt, dass es mit dem Regieren so ist wie mit der Liebe: erst eine scheue Berührung und der erste Kuss, dann Zusammenkuscheln und gemeinsame Abende, Verlobung und als Höhepunkt die besorgte Frage des Bundespräsidenten: Alfred, willst du Alexander oder Eva zum Vizekanzler nehmen ? Die Wähler wollten nicht Brauteltern sein, weil wenigstens sie wissen, dass es nicht um Liebe, sondern um ein Geschäft geht. Beim Regieren kommen zwei Firmen zusammen, die unterschiedliches wollen, ein paar Interessen gemeinsam haben, aber am Ende wieder gegeneinander antreten werden. Natürlich muss es möglich sein, dass Grüne auch über Regieren mit der ÖVP nachdenken. Solange nicht der eigene Ausverkauf der Preis ist, soll man sich ruhig anhören, was die schwarze Firma zu bieten hat. Gespräche führen und darüber öffentlich Rechenschaft ablegen – das ist das Mindeste, was Wähler von uns erwarten können. Die Schmollzeit ist vorbei.
Gegen den Rat unserer Presseabteilung meldet sich Christoph Chorherr. Während wir in Ruhe alles vorbereiten, begleitet uns gemeinderätliches Gegacker. Ein Dankeschön nach Wien.
Am meisten Freude macht mir weiter Herbert Haupt. Im Standard teilt er mir und anderen mit: „In einem roten Meer bin ich jetzt ein blaues U-Boot." Wie sang Bill Ramsey zur Beatles-Melodie: „Rot ist Backbord und Steuerbord ist grün..." Das muss das Schreckliche am Meeresgrund sein: entweder das rote oder das grüne Licht zur Orientierung zu haben und zu wissen: Die Luftvorräte gehen zu Ende.






