SONNTAG, 21. JÄNNER 2001
Haider hält eine Rede und ist wie immer auf Parteitagen offen und ehrlich. Man fühlt sich unter sich und es gibt statt einem Blatt den üblichen Schaum vor dem Mund. Ein Jahr hat die FPÖ jetzt Krieg im ORF geführt. Jetzt fühlt man sich dem Endsieg nahe. Man muß immer seltener anrufen, um die Redakteure auf der neuen Linie zu halten. Haider gibt die Parolen aus: "Wir werden die letzten
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Haider hält eine Rede und ist wie immer auf Parteitagen offen und ehrlich. Man fühlt sich unter sich und es gibt statt einem Blatt den üblichen Schaum vor dem Mund. Ein Jahr hat die FPÖ jetzt Krieg im ORF geführt. Jetzt fühlt man sich dem Endsieg nahe. Man muß immer seltener anrufen, um die Redakteure auf der neuen Linie zu halten. Haider gibt die Parolen aus: "Wir werden die letzten Widerstandsnester im ORF ausheben !" Dann, so meint man, hat Österreich den ersten öffentlich-rechtlichen Volksempfänger Europas. Während die tschechischen Fernsehjournalisten angesichts einer viel geringeren Bedrohung streiken, verfassen ihre Wiener Kollegen in voller Deckung ab und zu eine Resolution. Jahrzehntelang haben viele von ihnen gelernt, dass man irgendwie ja doch der Regierung gehört. An die neue Regierung gewöhnt man sich etwas schwerer. Immer öfter erzählen mir ORF-Redakteure, dass ich sie doch verstehen möge. Wer als erster aufmuckt, sei als erster erledigt. Was ist das für ein Gefühl, mit der vollen Hose den tschechischen Kollegen zuzujubeln ? Andere beissen die Zähne zusammen und versuchen, anständigen Journalismus unter unanständigen Bedingungen zu betreiben. Immer öfter spüren sie, dass sie weiter oben kaum jemand schützt. Die Spitzen schimpfen und geben den Druck weiter. Wenn der ORF zugrundegeht, dann geht er auch an sich selbst kaputt.






