DIENSTAG, 10. APRIL 2001
Ich bin selten krank, aber wenn es soweit ist, lege ich großen Wert darauf, nicht nur gut versorgt, sondern auch gut unterhalten zu werden. Die Regierung hat sich diese eineinhalb Wochen vorbildlich um mich gekümmert.Mein Hauptdank gilt Herbert Haupt. Jahrzehntelang hat er fehlerfrei gearbeitet. Egal, ob er sich der geblähten Oberdrautaler Kuh von hinten oder dem vom Juckreiz gebeutelten
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Ich bin selten krank, aber wenn es soweit ist, lege ich großen Wert darauf, nicht nur gut versorgt, sondern auch gut unterhalten zu werden. Die Regierung hat sich diese eineinhalb Wochen vorbildlich um mich gekümmert.
Mein Hauptdank gilt Herbert Haupt. Jahrzehntelang hat er fehlerfrei gearbeitet. Egal, ob er sich der geblähten Oberdrautaler Kuh von hinten oder dem vom Juckreiz gebeutelten Dackel von oben genähert hat, „Diagnose - Behandlung - Erfolg", das war der Dreitakt des Spittaller Veterinärs. Jetzt stellt er fest, dass das soziale System Österreich entgegen dem Prinzhorn´schen Befund weder unter Blähungen oder Fettleibigkeit leidet, sondern im Kern gesund ist. „Macht nichts", meint der Doktor und versucht, der Kuh ins Gesunde zu schneiden. Dann tritt die Kuh, Haupt ringelt sich, stolpert auf und gesteht nach Kritik aus Kärnten einen „persönlichen Fehler". Hätte sich Herbert Haupt ähnlich amateurhaft hinter seine Kärntner Kühe begeben, hätte er es wohl zum meistgetretenen Tierarzt gebracht. So bleibt ihm der Erfolg, Elisabeth Sickl immer ähnlicher zu werden.
Mein zweiter Dank gilt Patrick Ortlieb. Der Taxistand in der Tiefgarage des Flughafens bleibt ein Höhepunkt freiheitlicher Baukunst, der Slip und der Tausender stehen auch künftig für die treudeutsche Familie.
Dank Nummer drei geht an Karl Schnell. Als die Staatsanwaltschaft bekanntgab, sie werde der Aufforderung des beleidigten Bundespräsidenten nachkommen und den Salzburger FPÖ-Chef verfolgen, antwortete Schnell: „Ich werde Anklage gegen den Staatsanwalt erheben". Anklage, so steht es ja im neuen Böhmdorfer-STgB, dürfen nur Staatsanwälte oder FPÖ-Landesparteichefs erheben. Sonst könnte jeder kommen.
Über Frau Fabel finde ich nichts zu lachen. Natürlich sind freiheitliche Minister bereit, für Titelschwindlerinnen Spitzengehälter zu zahlen. Instinktiv wissen sie, dass sie nichts besseres kriegen und sind froh, wenn jemand in ihrer Umgebung wenigstens so tut, als ob er oder sie besonders gut sei. Frau Fabel selbst erscheint mir persönlich gefährdet.
Sonst wird es ernst. Mit dem Gesundheitssystem wird einer der beiden gesunden Kerne des sozialen Systems angegriffen. Die beiden Parteimillionäre Bartenstein und Prinzhorn geben den Takt an. Zum Glück rudern die Regierungsmitglieder so armselig. Aber das wird noch schärfer.
Gestern hat mich Ro Raftl angerufen. Die Gesellschaftsjournalistin ist beim Kurier in Pension gegangen. Jetzt will sie „kleine Bösartigkeiten und Ähnliches" über Menschen in der Politik erfahren. Ich soll also ein bißchen vernadern, damit ein kleines Ringelspiel der politischen Peinlichkeiten in Betrieb gehalten werden kann. Seltsam.






