DIENSTAG, 09. NOVEMBER 2004
EINE VERWIRRUNG UND IHRE GESCHICHTE. EIN PERSÖNLICHER BERICHTFreitag. Ich will den Beschluss des Erweiterten Bundesvorstands zur Sicherheitspolitik öffentlich machen. Am besten über eine einzige Zeitung, damit genug Platz für eine genauer Darstellung da ist. Ich entscheide mich für den Standard. Der sagt Ja.Sonntag Mittag. Der Standard-Redakteur hat den Beschluss gelesen und stellt mir ein
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EINE VERWIRRUNG UND IHRE GESCHICHTE. EIN PERSÖNLICHER BERICHT
Freitag. Ich will den Beschluss des Erweiterten Bundesvorstands zur Sicherheitspolitik öffentlich machen. Am besten über eine einzige Zeitung, damit genug Platz für eine genauer Darstellung da ist. Ich entscheide mich für den Standard. Der sagt Ja.
Sonntag Mittag. Der Standard-Redakteur hat den Beschluss gelesen und stellt mir ein paar Fragen. Später rufe ich noch einmal an. Ich will nicht, dass die Bedeutung der Neutralität für die Zeit bis zur Sicherheitsgemeinschaft unter den Tisch fällt. Er sagt mir zu, darauf zu achten.
Sonntag Abend. Unser Pressesprecher ruft mich an. „Grüne sagen ade zur Neutralität“. Jetzt ist es passiert. Wieder einmal.
EXKURS: SCHNELLES GESCHÄFT
Im Journalismus ist die Erregung der Treibstoff des medialen Ereignisses. Wer Erregung schafft, zwingt die anderen, sich nach zu erregen. Der Urheber der Erregung steht im Mittelpunkt und wird mit der „geilen Geschichte“ zitiert. Zwei Grundtechniken stehen zur Verfügung. Die Beschimpfung eines Kollegen bringt eine kleine, ein gelungener Tabubruch eine große Erregung. Seit Jahren findet der Neutralitäts-Tabubruch im Herbst statt. Diesmal hätte der Standard über eine große, durchaus riskante politische Weichenstellung berichten können. Der Titel hat daraus einen platten innenpolitischen Tabubruch gemacht. Die halbe Wahrheit lautet „Grüne sind bereit, die Neutralität aufzugeben“. Die im Titel verdrängte zweite Hälfte lautet: „wenn Europa etwas besseres Gemeinsames schafft, dann unter bestimmten Bedingungen und frühestens in 15 Jahren, jedenfalls nach einer Volksabstimmung“. Der seriöse und detailreiche redaktionelle Bericht ändert nichts an der Titel-Erregung. So funktionieren Zeitungen eben.
Montag Vormittag. Eva Glawischnig präzisiert in ihrer Pressekonferenz unsere gemeinsame Position. Das Papier liegt jedem vor. Mir spricht sie Unterstützung aus. Der ORF titelt: „Glawischnig pfeift Pilz zurück“. Gleich darauf wird der ORF zurückgepfiffen und wechselt auf „Grüne Verwirrung“. Um selbst verwirrt bleiben zu können, lesen die ORF-Redakteure das Papier einfach nicht.
Grüne aus den Ländern rufen an und kennen sich nicht mehr aus. Wir haben doch eine gemeinsame Position beschlossen. Was passiert da?
Dienstag Vormittag. Der Standard führt eine interessante Debatte weiter und gibt mir Raum für einen Kommentar. Der Kurier erklärt alle Parteien für seltsam. Die Kleine Zeitung lässt uns „zurück rudern“, berichtet aber sachlich und interessiert. Die Salzburger Nachrichten loben unseren Mut, eine längst notwendige europäische Position in Österreich zu begründen.
Langsam wird aus der Erregung eine Debatte. Langsam setzt sich auch eine Einsicht durch: dass die Grünen seit mehr als einer Woche über eine gemeinsame, spannende Position verfügen. Und einige andere verwirrt sind.
Vieles an der Verwirrung ist verständlich. Wenn die europäische Friedensordnung als langfristiges Ziel die Neutralität ersetzt, fällt vielen der beginnende Abschied schwer. Gerade bei den Grünen werden die Kernwerte der Neutralität – keine Beteiligung an Kriegen, keine Stationierung fremder Truppen und keine Teilnahme an einem militärischen Bündnis – geschätzt. Wenn sie am Weg zur Friedensordnung für ganz Europa gesichert werden, können auch sie überzeugt werden.
Während wir hier etwas Neues beginnen, stehen Gusenbauer und Lopatka käppelnd am Wegrand. Ihre Probleme kommen noch.
So, und jetzt wieder ins Plenum des Nationalrats. Im Steireranzug tritt der Freiheitliche Wittauer ans Rednerpult. „Und jetzt bringe ich meinen Antrag ein, in dem...“ Die Präsidentin sieht ihn ratlos an. „Das ist der falsche Tagesordnungspunkt. Das geht erst beim nächsten.“ Wittauer schaut traurig zu seinem Klubobmann und verlässt das Pult. Zehn Minuten später, nächster Tagesordnungspunkt. Wittauer hält eine kleine Rede und geht. „Herr Abgeordneter, jetzt hätten Sie Ihren Antrag einbringen müssen!“ Wittauer dreht um und will zurück ans Pult. „Nein, Herr Abgeordneter, Ihre Rede ist bereits beendet.“ Wittauer sieht noch trauriger in die Reihen der FPÖ. Das ist nicht sein Tag.
Antwort von: Dkfm.Helmut Eggarter, derzeit in Schweden
verfasst am: 11.11.2004 19:23:44
Sehr geehrter Herr Dr. Pilz!Sie stehen schon so lange im öffentlichen Leben und haben schon so viel mit Journalisten zu tun gehabt. Und da wundern Sie sich jetzt noch über eine
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Sehr geehrter Herr Dr. Pilz!
Sie stehen schon so lange im öffentlichen Leben und haben schon so viel mit Journalisten zu tun gehabt. Und da wundern Sie sich jetzt noch über eine verkürzende Überschrift, die den Inhalt ins Gegenteil verdreht? Das muss Ihnen doch schon 100mal passiert sein! Wenn Sie einen Journalisten nicht darauf verpflichten können, einen von Ihnen autorisierten Text zu veröffentlichen, wird das immer wieder vorkommen. Wobei ich als Konsument von www.orf.at die dort schreibenden ORF-Journalisten als die am schlechtest ausgebildeten erachte. Aber das Wichtigste: Die Grünen haben bezüglich Neutralitätsdiskussion wirklich einen Meilenstein gesetzt. Gratuliere!
Antwort von: Atsch
verfasst am: 10.11.2004 23:59:53
Ich persönlich finde es gut daß die Debatte um eine EU-Schutztruppe wieder angefacht wurde. Durch eine gemeinsame Truppe in der die EU als Gegenpol zur USA auftritt, um rasch in
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Ich persönlich finde es gut daß die Debatte um eine EU-Schutztruppe wieder angefacht wurde. Durch eine gemeinsame Truppe in der die EU als Gegenpol zur USA auftritt, um rasch in Krisenherde einzugreifen, würde den Status der EU sicher um einiges heben. Weiters würde die neutralere Stellung der EU im Gegensatz zu den USA eine stärkere friedensstiftende Wirkung in den betroffenen Krisengebieten erzielen.
Für eine EU-Truppe muß Österreich nicht wirklich von der Neutralität abrücken. Österreich ist ein kleines Land und kann nur durch Spezialisierung in der Internationalen Politik mitmischen. Große Bündnisse gibt es überall. Ob Österreich dabei mitmischt ist im Endeffekt nicht ausschlaggebend. Neutrale Länder sind jedoch selten. Österreich kann durch eine außergewöhnliche Vermittlerrolle in der Internationalen Politik punkten und Großes verändern.
Wir sollten daher eher über eine unterstützende Funktion (Pioniere, Trinkwasserversorgungseinheiten, Techniker...) in der EU Truppe nachdenken.
Antwort von: Mario
verfasst am: 10.11.2004 20:15:59
Es wäre doch möglich eine defensive Europaarmee zu gründen. Diese Europaarmee kann von jedem Mitgliedsland angefordert werden wenn es Unterstützung braucht. Allerdings darf sich
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Es wäre doch möglich eine defensive Europaarmee zu gründen. Diese Europaarmee kann von jedem Mitgliedsland angefordert werden wenn es Unterstützung braucht. Allerdings darf sich diese Armee nur innerhalb der EU bewegen und auch nicht an Übungen außerhalb der EU teilnehmen. Damit wäre der Schutz aller EU-Staaten gewährleistet ohne das die Gefahr einer europäischen Interventionsarmee entsteht. Zudem bleibt es jedem Mitgliedsland selbst überlassen ob es neutral bleibt oder ob es ein Nationalheer unterhält. Internationale Einsätze bleiben damit Sache der Nationalstaaten. Vielleicht könnte man auch der UNO eine eigene Armee in die Hand geben.
Antwort von: Georg
verfasst am: 10.11.2004 16:22:13
ist der journalist schuld? oder der politiker, der ihm die möglichkeit zu dieser schlagzeile eröffnet hat? wenn letzterer behauptet zu verstehen, wie ersterer funktioniert, müsste er
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ist der journalist schuld? oder der politiker, der ihm die möglichkeit zu dieser schlagzeile eröffnet hat? wenn letzterer behauptet zu verstehen, wie ersterer funktioniert, müsste er eben seine öffentliche kommunikation entsprechend gestalten, um seine absichten über den journalisten transportieren zu können. wenn schon dem journalisten die schaffung einer erregung so leicht fällt, wie leicht wird sich erst der politische mitbewerb damit im wahlkampf tun. und die aktuelle gestaltungsmacht der grünen über die europäische sicherheitsordnung des jahres 2020 ist doch ohnehin eine begrenzte, oder?
Antwort von: Constance
verfasst am: 10.11.2004 08:38:47
Zum demjenigen, der den "Rechteausgleich" verfasst hat:Dann würden wir wieder dort hin kommen, wo noch soviele Staaten sind: Damit eien Aussage wahr ist, braucht es nur einen Mann,
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Zum demjenigen, der den "Rechteausgleich" verfasst hat:
Dann würden wir wieder dort hin kommen, wo noch soviele Staaten sind: Damit eien Aussage wahr ist, braucht es nur einen Mann, aber mind. ZWEI (!!!!) Frauen. Und noch etwas: Von wegen, die Männer hätten mehr Pflichten - wer bekommt den Kinder und schaut (meistens) fas alleine drauf...?
Gott sei Dank sind wir ein Land, in dem es - zumindest theoritsch - eine vollständige Gleichheit zwischen Mann und Frau gibt (auch, wenn die sim Jobbereich noch auf sich warten läßt)!!
Antwort von: Rechteausgleich notwendig
verfasst am: 10.11.2004 12:34:20
Nein - es gibt keine vollständige Gleichheit. Junge Männer haben gegenüber dem Staat mehr Pflichten. Und diesem mehr an Pflichten muss auch ein mehr an Rechten gegenübergestellt
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Nein - es gibt keine vollständige Gleichheit. Junge Männer haben gegenüber dem Staat mehr Pflichten. Und diesem mehr an Pflichten muss auch ein mehr an Rechten gegenübergestellt werden.
Derzeitige Situation:
Mann mit 17 Jahren: Pflicht den Staat mit seinem Leben zu verteidigen, kein Wahlrecht
Frau mit 18 Jahren: keinerlei Verpflichtung gegenüber dem Staat, kann den Staat auch jederzeit verlassen. Hat aber wahlrecht.
So ein unlogischer Mißstand muss endlich beseitigt werden.
Antwort von: evelyn
verfasst am: 09.11.2004 20:35:42
lieber peter,als du im okober bei uns in kärnten beim elv warst, war ein wichtiger diskussionspunkt die baldige und notwendige abschaffung der wehrpflicht. das wird in den medien nie
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lieber peter,
als du im okober bei uns in kärnten beim elv warst, war ein wichtiger diskussionspunkt die baldige und notwendige abschaffung der wehrpflicht. das wird in den medien nie erwähnt, würde aber viele - junge - leute besänftigen. lg. evelyn liebe Evelyn,
Das ist eine gute Idee. Wir planen dazu ohnehin eine neue Initiative. Ich hoffe, dass wir möglichst bald starten können.
Antwort von: Rechteausgleich notwendig
verfasst am: 10.11.2004 07:53:16
Bis dahin sollte es endlich Anerkennung für diesen Dienst an der Gesellschaft geben. Dazu sollte das Wahlalter für Männer auf 17 gesenkt und die Stimmen von Männern zwischen 17
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Bis dahin sollte es endlich Anerkennung für diesen Dienst an der Gesellschaft geben. Dazu sollte das Wahlalter für Männer auf 17 gesenkt und die Stimmen von Männern zwischen 17 und 35 stärker gewichtet werden. Wer mehr Pflichten hat muss auch mehr Rechte haben.
Antwort von: Mario
verfasst am: 09.11.2004 18:48:09
Ich habe mit so einer Ausrede gerechnet. Aber leider ist der Sachverhalt doch ein wenig anderer. Die Grünen haben gesagt sie sind bereit die Neutralität aufzugeben - und haben dazu
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Ich habe mit so einer Ausrede gerechnet. Aber leider ist der Sachverhalt doch ein wenig anderer. Die Grünen haben gesagt sie sind bereit die Neutralität aufzugeben - und haben dazu unerfüllbare Bedingungen gestellt. Nun ist aber klar das solche Bedingungen eine Maximalforderung sind (und da auf eine europäische Neutralität sowie auf eine Einbindung von Rußland wie Voggenhuber das vor Jahren forderte verzichtet wurde auch nicht zu 100% positiv zu beurteilen) In der Realpolitik wird von solchen Forderungen dann doch wohl nur ein klein wenig übrig bleiben das durchsetzbar ist. Und wenn die Grünen grundsätzlich dazu bereit die Neutralität aufzugeben werden sie sich wohl mit dem wenigen begnügen müssen. (Wer kennt nicht den Witz: Würden sie für 1 Mio mit mir schlafen. Ja, natürlich. Und für 100 Euro? Wofür halten Sie mich? Haben wir geklärt, jetzt geht es um den Preis.)
Vollends kurios wird es wenn Herr Pilz den Völkermord in Ruanda anführt, meint er damit das die EU zur Konkurrenz für die UNO werden soll? Und dann sind noch einige Fragen zu klären betreffend GB und F. Wird die Europaarmee auch eingesetzt um deren Kolonialinteressen zu vertreten? Und was passiert mit den Atomwaffen?






