Tagebuch / Mai 2012

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DONNERSTAG, 28. JUNI 2001

Ich bin in der NATO. Für drei Tage hat mich die amerikanische Botschaft nach Brüssel eingeladen. Ich soll die NATO kennenlernen. Alle sind freundlich und entgegenkommend. Eigentlich will man uns ja im Verein, aber eigentlich sind wir auch nicht so wichtig. Man mag uns, aber ärgern tut man sich über die Franzosen.Der Donnerstag läuft im politischen Hauptquartier in Brüssel. Der NATO geht es
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Ich bin in der NATO. Für drei Tage hat mich die amerikanische Botschaft nach Brüssel eingeladen. Ich soll die NATO kennenlernen. Alle sind freundlich und entgegenkommend. Eigentlich will man uns ja im Verein, aber eigentlich sind wir auch nicht so wichtig. Man mag uns, aber ärgern tut man sich über die Franzosen.

Der Donnerstag läuft im politischen Hauptquartier in Brüssel. Der NATO geht es wie allen militärischen Einrichtungen: Nach dem Ende des Kalten Krieges müssen sie sich selbst und alle anderen davon überzeugen, dass sie noch gebraucht werden. Das ist das paradoxe Ergebnis der Balkankriege: Tudjman und Milosevic haben der NATO das Leben gerettet.

Auf drei Fragen tun sich alle mit den Antworten schwer:

1. In Mazedonien gehen die Balkankriege zu Ende. Was dann ?
2. Gerade der Fall Mostar - der vergebliche Versuch der NATO, Unterlagen über das organisierte politische Verbrechen an der Spitze der kroatischen Nationalisten in Herzegowina in einer Bank zu beschlagnahmen - hat gezeigt, dass es meist schiefgeht, wenn das Militär Polizei spielt. Die neuen NATO-Aufgaben lesen sich wie ein Auszug aus einem Polizeilexikon: Organisierte Kriminalität, Terrorismus, Umweltkriminalität, Proliferation... Aber was sollen die Militärs in Europa sonst in Zukunft tun ?
3. Die EU wird Stück für Stück ihre eigene Sicherheitspolitik entwickeln. Die Chefs müssen jetzt Partnerschaft lernen. Aber können sich die Amerikaner damit abfinden, dass sie gerade zu dem Zeitpunkt, als der NATO fast ganz Europa bis an die russische Grenze gehört, das Kommando über Europa abgeben ?

Die Briefings zeigen vor allem eines: eine große Sicherheit, mit der die Unsicherheit vorgetragen wird. Nach sieben Stunden sind die Ohren voll. Ich kann das „Näido - Näido" nicht mehr hören.

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