Luftgeschichte / Kampfbomber

1.1. Kampfbomber

Als Erich Wolf dem Brigadier seinen Akt vorlegt, ist aus der Leistungsbeschreibung ein Wunschzettel geworden:  „3.2.24.Luft-Boden-Kampffähigkeit: Der Einsatz in der Zweitrolle Luftangriff soll möglich sein. Dabei sollen insbesondere folgende Mittel zum Einsatz kommen können:
- Freifallbomben (500 - 2000 Pfund-Kategorie)
- Gesteuerte Bomben (z.B. lasergesteuert)
- Lenkwaffen zum Einsatz gegen Panzer und gepanzerte Fahrzeuge
- Lenkwaffen gegen elektromagnetische Emission von Bodenzielen
- Flächendeckende Bomben
- Lenkwaffen zum Einsatz gegen gehärtete Ziele
- Lenkwaffen zum Einsatz gegen Flugbetriebsziele..."[1]

Aus dem Luftraumüberwachungsflugzeug ist ein Kampfbomber geworden. Aber warum trauen sich die Militärs gerade jetzt? Die Antwort hat zwei Namen: Wolfgang Schüssel und Herbert Scheibner.

Wolfgang Schüssel ist gerade Bundeskanzler geworden. In früheren Koalitionen hat man alles gemeinsam zuerst ausgestritten und dann umgesetzt. Schüssel geht einen anderen Weg. Für seine ÖVP reserviert er das, was ihm wichtig scheint: Wirtschaft, Außenamt, Inneres. Mit Karl Heinz Grasser bestellt er einen Finanzminister, von dem er weiß, dass er heute blau und morgen schwarz sein kann. In der Menschenrechtspolitik akzeptiert Schüssel die Handschrift der FPÖ, sorgt aber mit einem schwarzen Innenministerium dafür, dass seine Partei in der Frage der Fremdenpolitik nicht zur Geisel der FPÖ wird. Nur in einem Bereich gibt Schüssel der FPÖ freie Fahrt: in der militärischen Landesverteidigung.

Das Regierungsübereinkommen zwischen ÖVP und FPÖ[2] ist auch im Punkt „Luftraumüberwachung" aus dem Text, den Viktor Klimas SPÖ der ÖVP zum Verhandeln übergeben hat, übernommen worden. „Kostengünstige Nachbeschaffung der Luftraumüberwachungsflugzeuge" - mehr sollte es nach dem Willen von SPÖ und ÖVP nicht sein. „Die Bundesminister für Landesverteidigung und für Finanzen werden gemeinsam die Voraussetzungen entwickeln, dass der Ankauf rechtzeitig in dieser Legislaturperiode erfolgen kann, im Rahmen des Gesamtbudgets, aber ohne zusätzliche Belastung für das Budget des BMLV." Jörg Haider und seine Verhandler unterschreiben. Aber gleich darauf beginnt die Suche nach Flugzeugen, die weder kostengünstig noch reine Luftraumüberwachungsflugzeuge sind. Jetzt will ein freiheitlicher Minister zeigen, was die FPÖ kann.

Herbert Scheibner ist der erste Verteidigungsminister der Wenderegierung. Er soll zeigen, dass unter einem freiheitlichen Minister ein neuer Militärwind weht. Als sich die Planer der Draken-Nachbeschaffung an ihn wenden, ist die Tür weit offen. Scheibner gibt zur ersten Schlüsselentscheidungen seine Zustimmung: Das Verteidigungsministerium wird neue Flugzeuge kaufen und die Flugzeuge sollen Jagdbomber sein.Von „kostengünstig" und „Nachbeschaffung" ist keine Rede mehr. 2003 sollen die ersten Flugzeuge geliefert werden. Jetzt will der Minister wissen, welche geeigneten Flugzeuge rechtzeitig am Markt sind.


[1] ebda., Blatt 38
[2] „Österreich neu Regieren". Regierungsübereinkommen ÖVP-FPÖ, Februar 2000