Luftgeschichte / Ein chancenloses Anbot

2.1. ein chancenloses Anbot

Am 10. Oktober 2001 behebt EADS das Anbot. Die deutschen Hersteller sehen in den Leistungsbestimmungen sofort, dass sie Eurofighter der Tranche 2 anbieten müssen:

„3.2.24. Luft-Boden-Kampffähigkeit: Der Einsatz in der Zweitrolle Luftangriff soll möglich sein. Dabei sollen insbesondere folgende Mittel zum Einsatz kommen können:
Freifallbomben (500 - 2000 Pfund-Kategorie)
Gesteuerte Bomben (z.B. lasergesteuert)
Flächendeckende Bomben
Lenkwaffen zum Einsatz gegen Panzer und gepanzerte Fahrzeuge
Lenkwaffen gegen elektromagnetische Emission von Bodenzielen
Lenkwaffen zum Einsatz gegen gehärtete Ziele
Lenkwaffen zum Einsatz gegen Flugbetriebsziele" wie in Leistungsbeschreibung."

Die Beschreibung der Rolle „Kampfbomber" umfasst 14 SOLL- und 4MUSS-Forderungen. 14 dieser Forderungen sollen später in die Bewertung eingehen.

Ein zweiter Punkt ist ebenfalls durch EADS kaum zu erfüllen:

„5.11. Nachweis und Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit
5.11.2 Der Bieter muss bereit sein, die Musterzulassung durch die nationale (Militär-) Luftfahrtbehörde mit Dokumenten zu belegen."

Bei einer weiteren MUSS-Forderung ist EADS chancenlos:

„1.4. Leistungsumfang
1.4.3. Der Bieter muss seine Bereitschaft erklären, vor Vertragsabschluss eine Flugerprobung zwecks Verifikation bestimmter Systemeigenschaften in Österreich auf eigenen Kosten durchzuführen. Die Konfiguration des Erprobungsflugzeugs muss mit jener der angebotenen Flugzeugevergleichbar sein."

Der letzte und entscheidende Punkt ist die Zwischenlösung:

„Teil C: Zwischenlösung:
1.6 .Leistungsumfang: Für die Dauer der Zwischenlösung müssen bis zu 12 Flugzeuge, davon bis zu 6 Doppelsitzer für den Betrieb in Österreich... verfügbar gemacht werden...
2.1.: Die Auslieferung der Flugzeuge muss mit 2003 beginnen und 2005 abgeschlossen sein."

EADS und die österreichischen Militärs wissen, dass für 2003 erst die Musterzulassung für den Eurofighter der Tranche 1, dem reinen Abfangjäger mit den Funktionen „Luftraumüberwachung" und „Luftraumsicherung", geplant ist. „Die „Type Acceptance" für dieses Flugzeug Tranche 1, das Luftraumüberwachung kann, war Mitte 2003", berichtet Aloysius Rauen, der Geschäftsführer der Eurofighter GmbH, dem Untersuchungsausschuss[1].

Obwohl klar ist, dass der Eurofighter in der ersten Runde ausscheiden wird, behebt EADS das Anbot.

Am 24. Oktober trifft Finanzminister Grasser ein weiteres Mal Manfred Bischoff in Wien. Bischoff weiß, dass EADS bei der Bewertung der MUSS-Kriterien keine Chance hat. Aber EADS hat inzwischen neue Verbündete erhalten.

Am 22. Jänner 2002 legt EADS sein „Angebot zum Vorhaben Abfangjäger" und unterschreibt die „Verhaltensregeln betreffend die Geschäftstätigkeit" für Bieter. Auf Seite 17 stellen die deutschen Bieter lapidar fest: „Preisblätter bezüglich Beilage 2, Abschnitt 1, Teil C: Zwischenlösung: Nicht relevant, da eine Zwischenlösung nicht angeboten wird."[2] EADS weiß, dass damit eine MUSS-Forderung nicht erfüllt wird.


[1] Protokoll der 7. Sitzung/ öffentlicher Teil des Untersuchungsausschusses zur Beschaffung von Kampfflugzeugen, Mittwoch, 13. Dezember 2006, S 89
[2] Eurofighter: Angebot, Kapitel A Kommerz, Anhang A-2 Preisblätter, Ausgabe 1 - 22.1.2002