Luftgeschichte / Achtzehn Ferrari

3.2. Achtzehn Ferrari

Die Typenentscheidung ist am 2. Juli gefallen. Eurofighter hat gewonnen,weil niemand die Betriebskosten berechnen konnte. Sechs Tage später liegen die Betriebskosten nach einem peniblen Rechenmodell des Materialstabs Luft vor[1]. Jetzt ist es amtlich, was längst alle wussten, aber nicht wissen wollten:

Pro Jahr kostet im Betrieb

Gripen                    37.306.400 Euro
Eurofighter             71.461.15 Euro.

Jedes Jahr wird der Eurofighter im Betrieb um 34 Millionen Euro mehr kosten als der Gripen.

Über die gesamte Laufzeit sind das

Gripen                    1.119.191.989 Euro
Eurofighter             2.143.845.446 Euro.

Mehr als eine Milliarde teurer - bis zur Typenentscheidung blieben die fertigen Zahlen in der Schublade. Jetzt liegen sie am Tisch. Und jetzt fällt allen wieder ein, dass sich das österreichische Bundesheer Eurofighter nicht leisten kann.

Am 16. Juli fährt wieder einmal eine österreichische Delegation ins Euroighter-Werk in Manching. Die Reise des militärischen Presse- und Informationsdienstes ist von Erfolg gekrönt. Die Delegationsleiterberichten nach Wien: „Erste Werbemittel konnten mitgenommen werden. Es ist somit ein erster Stock an Streugut vorhanden."[2] In begrenzter Stückzahl stehen dem Bundesheer jetzt „Eurofighter-Gummibärchen und Kappen" zur Verfügung.

Am 9. April 2003 legt der Chef des Generalstabs seinem Minister zum ersten Mal die Zahlen vor[3].Platter will das Ankaufsgesetz vorbereiten. Jetzt sieht er zum ersten Mal, dass die Kosten, die die Luftzeugabteilung berechnet hat, jeden Rahmen sprengen:

Abfangjäger - Eurofighter
System- und Folgeaufwand

Mindestbetrag für Ankaufgesetz

 

Systemaufwand/Vertrag

in Mio Euro ohne Abgaben

Ankaufsvertrag

1.829,0

Optionen

76,1

 

1.905,1

Systemaufwand/Folge

 

Einsatzausbildung Piloten

45,0

IISS (Integrated Service Support) 10 Jahre

338,8

IISS-Vertragsreserve

161,2

Lenkflugkörper

20,0

Infrastruktur

50,0

Führungssystem

50,0

IT-Ausstattung

35,0

Datalink MIDS-LVT

5,0

 

2.610,1

Betriebsaufwand 2005 - 2013

551,0

 

3.161,1

Betriebsaufwand 2014 - 2034

1.310,0

 

4.471,1

1791 089 000 Euro - das war die Zahl, die bei der Entscheidung für Eurofighter am 2. Juli 2002 in den Ministerratsbeschluss genommen wurde. 24 Eurofighter um 1,8 Milliarden Euro - wie soll der neue Verteidigungsminister jetzt 4,5 Milliarden erklären?

Platter weiß allerdings, dass ein wesentlicher Teil seines Problems schon im Juli 2002 liegt. Die damalige Regierung hat nur die Kosten der Flugzeuge veröffentlicht - und alles andere verheimlicht: die Betriebskosten und die Systemkosten. Mit Verheimlichen allein geht es jetzt nicht. Aber ohne wird Platter sein Ziel nicht erreichen. Das Ziel ist bereits lange vor Platters Amtsantritt vereinbart worden: die Eurofighter dürfen offiziell nicht mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Um jeden Preis.

Schüssels Regierung hat 18 Ferrari bestellt. Sein neuer Verteidigungsminister muss aus ihnen nun die sparsamen Alltagsflieger des kleinen Mannes basteln. Ein Jahr zu spät geht die Regierung auf Sparkurs. Der Kanzler hat dem Minister das Budgetziel vorgegeben. Ab jetzt heißt es abmagern und täuschen.


[1] BMLV, Abt. Luftzeugwesen: Motivenbericht zu LCC und Betriebsaufwand, 8.7.2002
[2] BMLV: Erfahrungsbericht des PID an Kabinettschef des Ministers, 16.7.2002
[3] BMLV: Information GStb-8/2003, 9.4.2003